Kolonialhistorische Stadtrundgänge

Vor allem vom Ende des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts spielte die ehemalige Reichshauptstadt Berlin auch als "Kolonialmetropole" eine entscheidende Rolle: Hier regierte der deutsche Kaiser und dessen Kanzler Bismarck, der 1884/85 die Vertreter der mächtigsten Staaten zur Berliner Afrika- oder Kongokonferenz einlud. An der Spree tagte das deutsche Parlament, das sich im Reichstag heftige Debatten zur deutschen Kolonialpolitik lieferte. Hier wurden die wichtigsten Institutionen der deutschen Kolonialverwaltung eingerichtet. In Berlin saßen die einflussreichen Verbände der Kolonialbewegung und bedeutende Institutionen der evangelischen Mission. Berlin war das Zentrum der Wissenschaften, die eng mit dem deutschen Kolonialismus verbunden waren. Es veranstaltete pompöse "Kolonialausstellungen" und menschenverachtende "Völkerschauen".


Auf Anfrage bietet Berlin Postkolonial e.V. für Gruppen von Erwachsenen und für Schulklassen zwei- bis dreistündige Stadtrundgänge / Führungen zur Berliner Kolonialgeschichte an. An ausgewählten Erinnerungsorten wollen wir über Berlins Rolle innerhalb des deutschen und europäischen Kolonialismus berichten und gemeinsam über dessen Auswirkungen auf unsere globalisierte Gegenwart diskutieren.


"Tropenhelm und Pickelhaube" - Ein kolonialhistorischer Stadtrundgang durch Berlin-Mitte


Leitung: Silke Reisinger & Corry Szantho von Radnoth
Kontakt: silkereisinger@gmx.net
Termine und Kosten: individuelle Absprache

Zu Fuß geht es nach einer kurzen Einführung an der Humboldt Universität quer durch die prominente Berliner Mitte. Der Rundgang endet nach ca. 2,5 Stunden am Reichstagsgebäude.


"Nachtigal ist kein Vogel!" Ein kolonialhistorischer Rundgang durch Berlins "Afrikanisches Viertel" im Wedding (Mitte)


Leitung: Mnyaka Sururu Mboro & Christian Kopp
Kontakt: buero@berlin-postkolonial.de
Termine und Kosten: individuelle Absprache

Vom U-Bahnhof "Rehberge" aus erkunden wir Deutschlands größtes Kolonialviertel, in dem heute zahlreiche afrodeutsche BerlinerInnen leben. Der Rundgang endet nach etwa 2,5 Stunden am U-Bahnhof "Afrikanische Straße".


ABGESCHLOSSEN: "Schwarz auf Weiß - Spuren des Kolonialismus vor Ort" (Mai-Dezember 2008)

Ein antirassistisches Bildungsprojekt zu Berlins kolonialen Straßennamen
    Petersallee (Wedding) / Carl Peters (1856-1918)/ Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Burundi, Ruanda)
    Nachtigalplatz (Wedding) / Gustav Nachtigal (1834-1885)/ Kamerun und Togo
    Lüderitzstraße (Wedding) / Adolf Lüderitz (1834-1886) / Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia)
    Groebenufer (Kreuzberg) / Otto Friedrich von der Groeben (1656-1728)/ "Großfriedrichsburg" (heute Princess Town, Ghana)
    Lansstraße (Dahlem) / Wilhelm von Lans (1861-1947)/ Kiautschou (China)

Gesellschaftlicher Rassismus sowie die Bereitschaft zur Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen des Südens gehen auch in Deutschland vor allem auf die Zeit kolonialer Machtausübung zurück. Noch heute dokumentieren Berliner Straßennamen die Herrschaftsansprüche des Deutschen Reiches - und ehren Kolonialverbrecher als "Helden der deutschen Kolonisation".


Das Projekt "Schwarz auf Weiß" von BERLIN POSTKOLONIAL e.V. ermöglichte interessierten Gruppen eine kritische und gegenwartsbezogene Aufarbeitung von Berlins Kolonialgeschichte. Ausgehend von den Aktivitäten und Biografien deutscher "Kolonialpioniere" und der Geschichte der jeweiligen Kolonie wollten wir mehr über unsere kaum bekannte Kolonialvergangenheit herausfinden und den verantwortungsvollen Umgang mit unserem "kolonialen Erbe" diskutieren. Die Teilnehmenden wurden dabei von interkulturellen Referenten-Teams begleitet.
Unter anderem organisierten wir:
    - Einführung und Projekttage
    - Vor-Ort-Besichtigungen der Straßenensembles
    - Besuch von Museen, die Objekte aus den ehemaligen Kolonien ihr Eigen nennen
    - Dialog mit Menschen aus den ehemaligen deutschen Kolonien
    -Unterstützung bei Gruppenpräsentationen

Begleitende Veranstaltungen
06.07. Workshop zur "Petersallee" und zur "Sansibarstraße" mit sansibarischen Jugendlichen und Twende Pamoja e.V.
September-Oktober Einführende Gruppenseminare
Postkoloniale Stadtrundgänge
Treffen der Projektgruppen mit Menschen aus ehemal. Kolonien
Museumsbesuche mit Diskussionsrunde
01.10. "Fallen und Chancen interkultureller Zusammenarbeit" Seminar mit Dr. L. Steinwachs und L. Oduro-Sarpong
November Erstellung der Gruppenpräsentationen
29./30.11. WE-Seminar mit der Hörspielregisseurin D. Kromphardt zur Erstellung einer Ton-/Bild-Projektdokumentation für den Einsatz in der Bildungsarbeit

Projektpartner von BERLIN POSTKOLONIAL waren:
    Demokratie und Integration / RAA Brandenburg
    Entwicklungspolitisches Informationszentrum (EPIZ)
    Werkstatt der Kulturen Berlin
    Initiative "Afrika im Wedding"
    UWATAB e.V.
    Twende Pamoja e.V.
    Next Interkulturelles

Das Projekt wurde gefördert durch die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit (LEZ) des Berliner Senats und durch den Evangelischen Entwicklungsdienst (EED).

Zum Download: projektflyer schwarz auf weiss pdf.pdf Projektflyer

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