Blues in Schwarzweiss. Die Black Community im Widerstand gegen kolonialrassistische Straßennamen in Berlin-Mitte

Christian Kopp, Marius Krohn

 

The truth will set you free? Maybe.

But first the truth must be set free.

(Wole Soyinka)

 

Im Juni 2012 wurde unter Mitwirkung von Mitgliedern der „Straßeninitiative“, hinter der die wichtigsten afrikanischen, Schwarzen deutschen und afrikanisch-deutschen Verbände und Vereine Berlins[1] stehen, im Stadtteil Wedding vom Bezirksamt Berlin-Mitte eine Informations- und Gedenkstele eingeweiht. Die Stele stellt in der Erinnerungskultur Berlins ein Novum dar. Die bebilderte Tafel trägt zwei vergleichsweise umfangreiche Texte, die beide das so genannte Afrikanische Viertel und seine Geschichte beschreiben. Ein Text ist von der „SPD-Projektgruppe Afrikanisches Viertel“ entworfen, mehrmals überarbeitet und schließlich vom Bezirksparlament angenommen worden. Der zweite Text ist von der zivilgesellschaftlichen Straßeninitiative geschrieben, in der engagierte Schwarze Expert_innen mit weißen kooperierten.

Das Zustandekommen dieser Tafel mit zwei Texten kann als wichtiger Erfolg der Black Community in ihrem jahrzehntelangen Engagement für eine Dekolonisierung des öffentlichen Raums in Berlin-Mitte gewertet werden. Nach monatelangen Kontroversen und Vorbereitungen steht nun die schon vor Jahren zugesagte erste Informations- und Gedenktafel zum Afrikanischen Viertel. Dabei hat die Black Community erstmals durchsetzen können, dass die Nachfahren der Kolonisierten auf einer aus städtischen Mitteln finanzierten Tafel ihre eigene Darstellung der Geschichte des deutschen Kolonialismus und des afrikanischen Widerstandes präsentieren können.[2]

Doch was als Einsicht in die Perspektivabhängigkeit von Geschichte und als Anerkennung der Vielfalt historischer Erfahrung begrüßt werden kann, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses so selbstverständlich erscheinende Recht weder von vornherein noch eben exklusiv eingeräumt wurde. Was von der Mehrheit der Bezirksverordneten als großzügige Geste der Toleranz betrachtet wird, ist kaum anders denn als Respektlosigkeit gegenüber den widerständigen Opfern des Kolonialismus und ihren Nachfahren zu werten. Denn bevor diese schließlich eine eigene Darstellung verfassten, war die Geschichtsdarstellung des Bezirkes von den Organisationen der Black Community bereits ausdrücklich als beschönigend und inakzeptabel abgelehnt worden.

Dass den betroffenen Expert_innen weder die alleinige Darstellung der Geschichte noch ein Vetorecht bezüglich des Bezirkstextes zugestanden wurde, zeigt nicht nur, welche Probleme die weiße Mehrheit in diesem Land mit der ganzen Wahrheit über den deutschen Kolonialismus hat. Es demonstriert auch, wie weit diese noch von der Übernahme historischer Verantwortung sowie von einem aufrichtigen Bemühen um Versöhnung entfernt ist. Die Geschichte dieser außergewöhnlichen Stele offenbart, wie sehr selbst die urbane Migrationsgesellschaft in ihrer offiziellen Erinnerungspolitik von der Dominanzkultur der weiß-deutschen Mehrheit geprägt ist.

Rückblick

1991/92, Berlin-Mitte: Vor einem großen blauen Schild mit der Aufschrift Mohrenstraße steht eine junge afrodeutsche Frau. Sie hält einen weißen Schokokuss in der Hand und lächelt - selbstbewusst. Ihr Name ist May Ayim. Kurze Zeit später schreibt sie:

Die Umbenennung der Ostberliner U-Bahnstation „Thälmannstraße“ in „Mohrenstraße“ ist ein sicheres Zeichen, dass auch in den obersten weißen Rängen der neuen Republik rassistische Sprache und entsprechendes Denken geduldet und tradiert werden. Das zeigt sich auch in der bisher unhinterfragten Beibehaltung von Straßennamen und Denkmälern im Westteil Deutschlands, durch die Kolonialisten noch immer glorifiziert und Kolonialisierte weiterhin gedemütigt werden.[3]

2004/05, Berlin-Mitte: Geschlossen beantragen die Organisationen der Black Community von Berlin die Umbenennung der Straße, deren Name auf Brandenburg-Preußens Verschleppung von „Mohren-Sklaven“[4] im 17. Jahrhundert nach Berlin zurückgeht und von ihnen als entwürdigende Fremdbezeichnung abgelehnt wird. Sie fordern zudem die Umbenennung des Nachtigalplatzes, der Lüderitzstraße und der Petersallee – der Straßen und Plätze im „Afrikanischen Viertel“, welche die Begründer der deutschen Kolonien in Afrika ehren. Als alternative Namensgeberinnen schlagen sie afrikanische Persönlichkeiten vor. Die weißen Bezirksverordneten befragen weiße Experten – und lehnen die Forderungen der Black Community ab. Auch ein Großteil der weißen Presse weist die Argumente zurück. Der damalige CDU-Fraktionssprecher, jetzt Parteichef und Innensenator Frank Henkel, belehrt die Schwarzen Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt:

Hier wird eine Kampagne nach Gutmenschenart gefahren, die ein linkes Stadtbild auch in Straßennamen manifestieren soll. Die Straßenbezeichnung Mohrenstraße ist aber weder rassistisch noch in irgendeiner Weise politisch inkorrekt.[5]

Kwesi Aikins mit Herero und Nama an der M-StraßeDer deutsch-ghanaische Politikwissenschaftler und Aktivist Joshua Kwesi Aikins berichtet  Nama- und Hererovertreter_innen über die seit Jahren ignorierten Proteste der Berliner Black Community gegen die diskriminierende M-Straße und über die Gedenkkampagne zum 125. Jahrestag der Berliner Afrika-Konferenz 2009/10. Die Delegation war im Herbst 2011 nach Berlin gekommen, um die vor über 100 Jahren zu rassistischen Forschungszwecken nach Berlin verschleppten Gebeine von 20 Opfern des Genozids 1904-08 im ehemaligen "Deutsch-Südwestafrika" nach Namibia zurück zu holen. (Foto: J. Zeller)

 

 

Berlins Kolonialviertel

Fragt man in Berlin nach dem Grund für die markanten Straßenbezeichnungen des vor über 100 Jahren angelegten „Afrikanischen Viertels“ erhält man noch immer häufig die Antwort, dass die dortigen Straßennamen „Afrikabezug“ haben - so wie eben im benachbarten Englischen oder Britischen Viertel an Orte in Großbritannien erinnert werden soll. Lokalhistorisch Interessierte meinen zu wissen, dass diese Straßennamen auf die Pläne des Hamburger Tier- und Menschenausstellers Carl Hagenbeck (1844-1913) zurückgehen, der in den angrenzenden Rehbergen vor dem Ersten Weltkrieg nicht nur einen weitläufigen Zoo und eine „Arena für Tierdressuren mannigfacher Art“, sondern auch einen „besonderen Raum“ für „jährlich wechselnde Völkerausstellungen“ plante.[6] Nur wenige berichten, dass die Namen mit den einst von Deutschland annektierten Gebieten in Afrika zusammenhängen. Den eigentlichen Grund für die charakteristischen Straßennamen verkennen auch sie: Es war und ist der auf den Kolonialismus zurückgehende Rassismus der weißen Bürger_innen Berlins.[7]

So ist das ausgesprochene Ziel dieses Flächendenkmals mit seinen Straßennamen die Verherrlichung und Verankerung der deutschen Kolonialherrschaft im Bewusstsein der Öffentlichkeit. In einer Art Reinszenierung der kolonialen Annexion führen die Benennungen im Viertel das einst von Deutschland kontrollierte bzw. beanspruchte Kolonialreich eindrücklich vor Augen. Durch die Benennung von Straßen, durch die demonstrative Einschreibung kolonialer Eroberungen in das Berliner Straßenbild, den Stadtplan und das Gedächtnis der Stadt sind die deutschen Besitzergreifungen und –ansprüche in der Metropole verzeichnet und werden bis heute als legitim markiert: Berlins „Afrikanisches Viertel“ ist das älteste und flächenmäßig größte der noch etwa 30 vorhandenen Kolonialviertel Deutschlands. Es ist ein kolonial(revisionistisch)er Lern- und Erinnerungsort.[8]

Reichskriegsflagge in der Im Juni 2012 ist in der Weddinger „Dauerkolonie Togo e.V.“ (gegr. 1939), die mitten im so genannten "Afrikanischen Viertel" liegt, die Reichskriegsflagge gehisst. Seit Jahren protestiert die Black Community gegen den kolonialrevisionistischen Namen der Kleingartenanlage, der auf extragroßen Schildern rund um das Viertel zu lesen ist. (Foto: M. Bieniok)

Die ersten beiden Straßen, die Kameruner Straße und die Togostraße, wurden bereits im Jahr 1899 benannt, als der Großteil des Viertels noch unbebaut war. Die Initiative dafür ging vom Berliner Magistrat aus, in dem der kolonialpropagandistisch aktive Stadtrat Ernst Friedel (1837-1918), Leiter des Märkischen Museums und Vorsitzender des Vereins für die Geschichte Berlins, über Jahrzehnte hinweg als Dezernent für Straßenbenennungen fungierte und dabei das Bild der Stadt entscheidend prägte.[9] Am 4. Februar 1899 schrieb der Berliner Polizeipräsident an den preußischen Minister für öffentliche Arbeiten:

(..) 6. Für die Straße 23a Abteilung X1 zwischen Müllerstraße und Straße 20a ist der Name ‚Kameruner Straße’ in Vorschlag gebracht, da in der Bürgerschaft zum öfteren angeregt worden ist, entsprechend dem analogen Vorgang außerdeutscher Hauptstädte, auch Straßen nach dem Kolonial-Besitz zu benennen. / 7. Der Straße 26a Abteilung X1, parallel der Müllerstraße, zwischen Seestraße und der Weichbildgrenze bittet der Magistrat den Namen „Togo-Straße" beizugeben. Es gilt das zu 6. Gesagte. Außerdem bietet der Abschnitt des Bebauungsplanes zwischen Müllerstraße, Seestraße und Jungfernheide Gelegenheit, allmählig auch die übrigen deutschen Kolonien in Straßennamen zu vergegenwärtigen.[10]

Knapp zwei Monate später leitete der Minister die Vorschläge des Magistrats an Kaiser Wilhelm II. weiter und ergänzte:

Der Magistrat geht bei diesem wie beim nächstfolgenden Vorschlage von der Absicht aus, für die Straßenzüge zwischen der Müllerstraße und der Jungfernheide Namen zu erbitten, die mit dem deutschen Kolonialbesitz im Zusammenhang stehen. Er gibt hiermit einer Anregung aus der Bürgerschaft folge.[11]

Wie schon bei den kolonialen Besitzergreifungen in Afrika, Asien und Ozeanien eiferte man also auch hier, in der kolonialpropagandistischen Gestaltung des Berliner Stadtraums, den anderen europäischen Kolonialmächten nach. Und wie bei der gewaltsamen Annexion und Ausbeutung der Kolonien legten die Deutschen besonderen Ehrgeiz an den Tag. In der ehemaligen Reichshauptstadt verherrlichen daher nicht nur einzelne und verstreute Straßen, sondern gleich ein ganzes Viertel den deutschen Kolonialismus. Berlins Idee machte Schule. Der Weddinger Kiez wurde zum Vorbild für zahlreiche Kolonialviertel andernorts.

Im Wedding konzentrierte man sich bei der Auswahl der Straßennamen auf die von Deutschland kolonisierten oder beanspruchten Gebiete Afrikas, was dem Quartier schnell zu dem bis heute gebräuchlichen, dadurch aber nicht weniger zynischen Namen „Afrikanisches Viertel“ verhalf.[12] Bereits 1902 berichtete das Lokalblatt „Die Quelle“: „Das ‚afrikanische Viertel’ wird vom Volksmunde der große neue Stadtteil genannt, (...) da die bereits benannten Straßen ihren Namen von den afrikanischen Kolonien Kamerun und Togo erhalten haben.“

Etwa zur selben Zeit erfolgte die dritte Benennung einer Straße, die folgerichtig eine weitere deutsche Kolonialannexion, die von „Deutsch-Südwestafrika“ vergegenwärtigt. Diesmal wurde nicht der für ein Straßenschild ungeeignete Name der deutschen Kolonie sondern der ihres „Begründers“ Adolph Eduard Lüderitz (1834-1886) gewählt. Die Benennung der Lüderitzstraße hatte aber auch einen weiteren, offiziellen Grund, der im Schreiben des Polizeipräsidenten an  den preußischen Minister vom 2. Dezember 1901 deutlich wird. Hier heißt es:

Zu Ehren des Begründers des deutschen Kolonialwesens wünscht die Bürgerschaft die zwischen Seestraße und der Straße 20a gelegene, bereits gepflasterte Strasse 27a Abtheilung X1 Lüderitzstraße zu benennen. In der Nähe befinden sich einige Kolonialstraßen z.B. die Togo- und Kamerunerstraße.[13]

Der windige Bremer Kolonialkaufmann, der 1883 mit dem betrügerischen „Erwerb“ eines großen Gebietes der !Aman (Nama von Bethanien) als erster Deutscher den Grundstein für eine Kolonie in Afrika gelegt hatte, wurde und wird von der Berliner Regierung offenbar besonders geschätzt. Die Honoratioren stilisierten den selbst in Deutschland als „Lügenfritz“ verspotteten zur Gründerfigur des deutschen Kolonialismus und erkoren ihn zur ersten im Kiez geehrten „Persönlichkeit“.[14] Für die Black Community Berlins und den seit Jahrzehnten in Berlin lebenden Herero Israel Kaunatjike, der zur namibisch-deutschen Geschichte häufig in Schulen berichtet, ist die fortgesetzte Ehrung des betrügerischen „Begründers“ von „Deutsch-Südwestafrika“ unerträglich und eine ungeheure Provokation. Als die zur Rückführung der nach Berlin verschleppten und missbrauchten Gebeine ihrer Vorfahren im Herbst 2011 in der Stadt weilende Ida Hofmann vom Nama Technical Committee von uns auf die Berliner Lüderitzstraße angesprochen wurde, meinte sie: „War es - genau genommen - nicht Lüderitz, mit dem der Genozid begann?“

Otawi-Apotheke am Afrikanischen ViertelM.S. Mboro von Berlin Postkolonial kann es kaum fassen: Stolz präsentiert die Otawi-Apotheke (nahe Otawistraße) Gold, Diamanten und Kupfer im Wüstensand - der Koffer zum Abtransport steht auch schon parat... 1900 wurde in Berlin von verschiedenen Bankhäusern die "Otavi-Minen und -Eisenbahn-gesellschaft" (heute "Otavi Minerals"mit Sitz in Neuss) zur Ausbeutung der reichen Kupfervorkommen im namibischen Tsumeb gegründet. Sie ließ dort bis zum 2. Weltkrieg Bodenschätze fördern. Der mit Zwangsarbeitern betriebene Bau der Eisenbahn, die durch Hereroland verlief, war ein Grund für deren Erhebung (Foto: Berlin Postkolonial, 2011)

 

 

 

 

1903 erfolgte die Benennung der Guineastraße, die zum einen an die Region in Westafrika erinnert, in der die deutschen Kolonien Togo und Kamerun lagen. Zum anderen glorifiziert der vom kolonialistischen Heimathistoriker Friedel vorgeschlagene Name aber auch Brandenburg-Preußens koloniale Traditionen, d.h. seine einstige Kolonie „Großfriedrichsburg“ an der so genannten Goldküste der Bucht von Guinea. Wer mit dem afrodeutschen Politikwissenschaftler und Aktivisten Joshua Kwesi Aikins von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland zu diesem Straßenschild geht, kann erfahren, wie Brandenburgs westafrikanische Festungen dem in Berlin-Brandenburg geehrten „Großen Kurfürsten“ (1620-88) und seinem Nachfolger die Verschleppung von ca. 20.000 afrikanischen Männern, Frauen und Kindern in die Plantagensklaverei der Karibik erlaubten. Und wer darüber hinaus einem der Vorträge der renommierten Schwarzen Historikerin Paulette Reed-Anderson lauscht, wird hören, dass Berlins Afrikanische Diaspora auf versklavte Schwarze Kinder und junge Männer zurückgeht. Von den Brandenburgern aus Afrika nach Berlin verschleppt, hatten sie hier als „Hofmohren“ oder im Militär zu dienen.

1907 folgte die Transvaalstraße, die einen der wenigen Sonderfälle im Weddinger Straßenensemble darstellt, auch wenn selbst sie kolonialpropagandistischen Intentionen entspringt. Der Straßenname ehrt die bis 1902 unabhängige Buren-Republik im südlichen Afrika, die niederländisch-stämmige Siedler nach der gewaltsamen Vertreibung der dort heimischen Zulu gründeten. Die deutsche Kolonialbewegung sympathisierte mit dem Krieg der als „blutsverwandt“ betrachteten, rassistischen Buren gegen die koloniale Konkurrenzmacht Großbritannien. In diesem Sinne widmete Berlin ihren politischen Führern zur selben Zeit auch mehrere, mittlerweile umbenannte Straßen im östlichen Stadtteil Karlshorst.

Selbst die 1911 benannte Kongostraße und die Sansibarstraße sind Teil kolonialdeutscher Propaganda. Dabei spielt die Kongostraße nicht etwa auf die so genannte Berliner Afrika- oder Kongokonferenz von 1884/85 an, auf der weiße Diplomaten zusammenkamen, um über die Aufteilung des afrikanischen Kontinents zu verhandeln. Vielmehr vergegenwärtigt der Name den Teil des Kongos, der durch das so genannte Marokko-Kongo-Abkommen mit Frankreich zur deutschen Kolonie Kamerun geschlagen wurde. Demgegenüber war der Inselarchipel Sansibar im Indischen Ozeanien nie in deutschem „Kolonial-Besitz“. Dass sich aber die Legende von seinem „Tausch“ gegen die von Großbritannien kontrollierte Insel Helgoland hartnäckig hält, verdeutlicht, wie sehr die Deutschen ihren „Verzicht“ auf Sansibar im Deutsch-Britischen Abkommen von 1890 als „Verlust“ empfanden und wie lange sie hofften, irgendwann doch noch in den Besitz der Insel mit dem märchenhaften Namen zu kommen.[15]

Im Jahre 1910 - anlässlich seines 25. Todestages - wurde der zentrale Platz des Viertels nach Gustav Nachtigal (1834-1885), dem zweiten „Begründer“ deutscher Kolonien in Afrika benannt. Im Geheimauftrag der Reichsregierung war der in Europa als „Afrikaforscher“ berühmt gewordene Beamte 1884 mit einem Kriegsschiff nach Westafrika gereist, um dort - wo immer es noch möglich war - mit Unterstützung der Reichsmarine die deutsche Flagge zu hissen. In Kamerun kam es dabei zum ersten blutigen Militäreinsatz gegen Afrikaner/innen, die sich der deutschen Kolonisierung entgegenstellten. In Südwestafrika bestätigte Nachtigal den betrügerischen Landerwerb durch Lüderitz, obwohl die um ihr Land betrogenen Nama von Bethanien energisch bei ihm Klage führten. Und in Togo – darauf verwies der togoische Historiker Dr. Benjamin Apegnowou Afanvi bei seinem Berlinbesuch 2012 – erpresste der Namensgeber des Nachtigalplatzes einen „Schutzvertrag“, in dem er die zwei nach Berlin entführten und von ihm nur zurückzubringenden afrikanischen Geiseln Gomez und Wilson so lange an Bord behielt, bis sich die Herrscher von Glidji im Küstenort Bagida zur Unterzeichnung bereit fanden.[16] Nicht nur für die kamerunische Germanistin Dr. Marie Biloa Onana vom Verein Berlin Postkolonial, die gelegentlich Gruppen durch das „Afrikanische Viertel“ führt, ist der Reichskommissar für Westafrika daher „in besonderem Maße verantwortlich für das Unrecht, das den kolonisierten Völkern zugefügt wurde.“[17]

NS-Collage zu Gustav NachtigalKolonialpropagandistische Collage aus dem nationalsozialistischen "Neuen Volksbuch der deutschen Kolonien", die Gustav Nachtigal (1834-1885) als Begründer der Kolonien Togo und Kamerun glorifiziert. Nachtigals Hissung der kaiserlichen Flagge an mehreren westafrikanischen Küstenorten stützte sich auf Erpressung, Betrug und militärische Gewalt.

 

Der kolonialpropagandistischen Funktion des Viertels fühlten sich die städtischen Honoratioren auch über die großen historischen Umbrüche hinweg verpflichtet. Selbst nach dem Verlust der von Deutschland annektierten Kolonien im Ersten Weltkrieg gedachten sie bei neuen Benennungen noch der Orte und Landschaften des zerfallenen Kolonialreichs in Afrika. So sind die zahlreichen Straßennamen, die nach 1918/19 vergeben wurden, als kolonialrevisionistisch zu verstehen. Bis auf die Senegalstraße (1927) zeugen sie alle vom demonstrativ-trotzigen Festhalten am verlorenen deutschen „Kolonialbesitz“ in Afrika. Dies trifft selbst auf die Ugandastraße (1927) zu, denn auch auf dieses Reich hatte sich die deutsche Koloniallobby Hoffnungen gemacht – bis dann 1890 das Helgoland-Sansibar-Abkommen den deutschen „Verzicht“ auf Uganda, Witu und Sansibar formulierte. Wie im Falle Sansibars wird dieser „Verzicht“ im Berliner Kolonialviertel demonstrativ ignoriert – ganz im Sinne der sich 1891/92 aus Protest gegen den Vertrag formierenden „Alldeutschen“, die ihn als Verrat an Deutschlands imperialer Mission betrachteten.[18]

Der Mann, der dies am stärksten so empfand und die Alldeutschen mit aus der Taufe hob, war derjenige, der die gewaltsamen Eroberungs- und Unterwerfungsexpeditionen selbst durchgeführt hatte - und seit 1939 mit der Petersallee als dritter und letzter „Begründer“ einer deutschen Kolonie in Afrika im Wedding geehrt wird. Carl Peters (1856-1918), den erst die Nationalsozialisten als größten deutschen „Kolonialpionier“ feierten, war wegen seines imperialen Größenwahns, seiner hemmungslos rassistischen Positionen und seiner ausgesprochen brutalen Kolonisationsmethoden schon zu Lebzeiten eine heftig umstrittene „Persönlichkeit“. Wegen der willkürlichen Freiheitsberaubung, Auspeitschung und Hinrichtung seines afrikanischen Bediensteten Mabruk und des sexuell ausgebeuteten Chagga-Mädchens Jagodja 1891/92 wurde „Hängepeters“ aus dem Kolonialdienst des Deutschen Reiches entlassen. Zum Motiv für das Verbrechen, das allzu häufig als Eifersuchtsdrama verharmlost wird, erklärte Peters selbst: „Ich bin ein stiller, ernster Pastorensohn, aber die Lochbruderschaft mit diesen Schweinen passte mir nicht.“[19] Wenn der seit vielen Jahren in Berlin lebende tansanische Aktivist Mboro Mnyaka Sururu Gruppen durch das so genannten „Afrikanische Viertel“ führt, erzählt er, was ihm als Kind von seiner Chagga-Großmutter am Kilimandjaro erklärt wurde: Dass der Mann im Mond kein anderer als mkono wa damu, die „Bluthand“ Carl Peters sei, der dort zur Strafe für seine grausamen Verbrechen für immer am Galgen hängt.


Mboro Mnyaka Sururu über Carl PetersDer Mchagga M.S. Mboro, Vorstand von Berlin Postkolonial, berichtet über den Kolonialverbrecher Carl Peters (1856-1918), der wegen seines grausamen Regimes am Kilimandjaro auch nach über 100 Jahren nicht vergessen ist. Nach dem „Begründer“ der ehemaligen Kolonie „Deutsch-Ostafrika“ benannten die Nationalsozialisten im Jahre 1939 die Weddinger Petersallee. (Foto: M. Bieniok)


Vom Afrikanischen zum afrikanischen Viertel?

Ein hoffnungsvoll stimmendes Zeichen der Abkehr von der kolonialen Erinnerungspolitik der Stadtväter Berlins im Weddinger Kolonialviertel wurde erst 1958 gesetzt. Nur wenige Monate nach der Unabhängigkeit Ghanas wurde mit einer großen Geste im Kleinen die letzte Straße des Viertels Ghanastraße benannt – zur Würdigung des ersten afrikanischen Landes südlich der Sahara, das sich von der europäischen Fremdherrschaft befreien konnte. Doch wer glaubte, dass nun ein neues, tatsächlich afrikanisches Kapitel in der Geschichte des größten deutschen Kolonialviertels geschrieben worden wäre, sah sich getäuscht, denn dieses neue Kapitel blieb leer: Während der nächsten 30 Jahre wollte sich niemand in Berlin (selbst)kritisch mit Deutschlands kolonialer Vergangenheit auseinandersetzen.

Als die Partei Alternative Liste in den 1980er Jahren die drei nach den Kolonialbegründern benannten Straßen zur Debatte stellte und Namen von afrikanischen Führern des antikolonialen Widerstandes wie Witbooi und Maherero vorschlug, traf dies bei den Bezirksverordneten der anderen Parteien auf Ablehnung. Auch zeitgenössische afrikanische Kämpfer gegen die Apartheid wie Mandela oder Luthuli wurden nicht akzeptiert. Selbst distanzierende Erklärungsschilder wurden an den Weddinger Kolonialstraßen nicht angebracht, sieht man von einer Ausnahme ab, die nun seit gut 25 Jahren bundesweit für ungläubiges Kopfschütteln sorgt: Kleine Schilder an der Petersallee tragen bis heute die Aufschrift: „Prof. Dr. Hans Peters, Stadtverordneter“.[20]

2007/08: Berlins Black Community bekommt Unterstützung durch die entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen der Stadt. Ihre gemeinsame „Straßeninitiative“ erarbeitet ein ausführliches Dossier über die zahlreichen Berliner Straßennamen mit Kolonialbezug. Sie regt deren kritische Kommentierung an. Im Fall der M.-Straße und von weiteren zehn „besonders eklatanten Fällen, (…) wo die ‚Kolonialpioniere’ für ihre Rolle bei der gewaltsamen Begründung des deutschen Kolonialreichs geehrt werden“ fordert sie Umbenennungen zur Würdigung von Personen, die sich aktiv gegen Kolonialismus und Rassismus zur Wehr gesetzt haben.[21]

Wanderausstellung Auftakt des Transferausstellungsprojekts“ freedom roads! koloniale straßennamen / postkoloniale erinnerungskulturen“ im Berliner August-Bebel-Institut im Herbst 2010. Die Initiative klärt u.a. über die bundesweit mit Straßennamen gewürdigten kolonialen Akteure auf und stellt alternative Namensgeber_innen vor, die im Widerstand gegen den deutschen Kolonialismus ihr Leben ließen. 2013 ist die Ausstellung in Hamburg und München zu sehen. (Foto: HMJokinen)

 

 

2010/11: Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg reagiert positiv auf die Initiative und benennt – nicht ohne Widerstand einiger weißer Historiker und Anwohner/innen - das kolonialpropagandistische Gröbenufer in May-Ayim-Ufer um. Auch in Berlin-Mitte gibt es Bewegung: Zwar bleibt eine Umbenennung der rassistischen M-Straße für den Bezirk weiter ein Taboo, aber in Berlins Kolonialviertel kommt Bewegung. Bezirksbürgermeister Hanke und die regierende SPD stellen einen postkolonialen "Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel“ in Aussicht und versprechen, sich für die Umbenennungen von Straßen einzusetzen, die Kolonialisten ehren. Der „Lern- und Erinnerungsort“ wird vom Bezirk beschlossen, aber gegen die Umbenennungspläne regt sich Anwohnerprotest.

Innerhalb weniger Monate findet die von Mitgliedern des Heimatvereins gegründete Bürgerinitiative „Pro Afrikanisches Viertel“, die das Gerücht streut, dass zahlreiche Straßen im Viertel umbenannt werden sollen, nach eigenen Angaben 1500 Unterstützer_innen im Quartier. Sie interpretiert die Straßennamen im „Afrikanischen Viertel“, „die einst­mals an die sehr ambivalente koloniale Vergangenheit Deutschlands und Europas erinnerten“ als „Mei­len­steine einer neuen Zukunft (…), in der die Unterdrückung von Völkern durch andere Völker keinen Be­stand mehr hat“ und preist das Kolonialviertel als „in die Zukunft gerichteten Wegweiser für die Freundschaft Deutschlands mit den Völkern und Staaten Afrikas.“ In ihren Aufrufen macht die Initiative deutlich, dass es in der Kontroverse um mehr geht als um den nicht allzu großen Aufwand, den Straßenumbenennung für die Anwohner_innen mit sich bringen. Sie hat inhaltliche und grundsätzliche Gründe für ihr Festhalten am Bestehenden: Es gäbe „keine wirklich sachlichen Argumente, die gegen die Namensgeber sprechen“; „Menschen aus anderen Ländern seien in Deutschland willkommen, sie haben in unserem Land aber keine Sonder­rechte, z.B. allein über die Benennung von Straßen zu bestimmen“; sie hätten „keine Probleme mit einer Informationstafel über die Kolonialzeit im Afrikanischen Viertel“, lehnten aber „eine bewusste einseitige Anklage Deutschlands und der Deutschen entschieden ab.“[22] Die CDU von Berlin-Mitte nimmt sich des kolonialpropagandistischen „Bürgeranliegens“ an, macht die Kontroverse zum Wahlkampfthema 2011 - und setzt in der folgenden Zählgemeinschaft mit der SPD durch, dass in der ehemaligen Hauptstadt des deutschen Kolonialreichs die Begründer desselben auch weiterhin mit Straßennamen geehrt werden.

Kolonialpropaganda der CDU Kolonialpropaganda der CDU von Berlin-Mitte im September 2011. Die Partei streut das Gerücht, dass nicht nur der Nachtigalplatz, die Lüderitzstraße und die Petersallee, sondern alle Straßennamen des Kolonialviertels geändert werden sollen. Die Bürgerinitiative "Pro Afrikanisches Viertel" droht mit Konsequenzen für das Zusammenleben von Schwarzen und Weißen im Viertel, sollte die Black Community weiter gegen die Ehrung der deutschen Kolonialbegründer protestieren.

 

Anlässlich der feierlichen Einweihung der Informations- und Gedenkstele im Berliner Kolonialviertel im Juni 2012 bringt Yonas Endrias vom Global Afrikan Congress, der Redner der Black Community und ihrer Straßeninitiative, das ernüchternde Ergebnis ihres ausdauernden Engagements auf den Punkt:

In acht Jahren harter Arbeit haben wir ein Bewusstsein und eine Sensibilisierung zum Thema Kolonialismus und Rassismus bei fast allen Parteien erreicht. In diesem Zusammenhang werten wir es als harten Rückschlag, dass die CDU und die SPD im Bezirk Mitte in ihrer Koalitionsvereinbarung festgeschrieben haben, dass die Umbenennung von Straßen im „Afrikanischen Viertel“ kategorisch ausgeschlossen wird, und zwar nur im „Afrikanischen Viertel“. Dies werten wir als diskriminierende Doppelmoral.[23]

Als wäre dieses Einknicken der SPD nicht schon beschämend genug, gerät schließlich auch die Einweihungszeremonie für die Informations- und Gedenktafel zum Eklat. Denn nicht nur feiern sich die zahlreichen weißen Redner_innen vor allem selbst. Als die Tafel enthüllt wird, zeigt sich auch, dass sie so aufgestellt ist, dass sich der Text der Black Community auf der „Rückseite“ befindet, während der Bezirkstext den „Platz an der Sonne“ okkupiert! Es bleibt May Ayims "Blues in Schwarzweiß":

... während noch immer und schon wieder / die einen zerstückelt und verteilt und vertrieben werden / die einen / die immer die anderen sind und waren und bleiben sollen / erklären sich die eigentlich anderen / noch immer und schon wieder zu den einzig wahren / erklären uns die eigentlich anderen: / noch immer und schon wieder den krieg.[24]

 

 


 

[1] Beteiligt waren bzw. sind: ADEFRA, AfricAvenir International, Afrika-Rat Berlin-Brandenburg, Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag, Berlin Postkolonial, Global Afrikan Congress, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Internationale Liga für Menschenrechte, Projekt „Unterm Teppich?“, Tanzania-Network.de, UWATAB, Werkstatt der Kulturen

[2] Die anderen Beispiele für öffentliche Darstellungen dieser Geschichte durch Schwarze Berliner/innen – die Stele zur Berliner Afrika-Konferenz in der Wilhelmstraße und die Stele der Straßeninitiative am May-Ayim-Ufer sind zivilgesellschaftlich finanzierte Initiativen.

[3] Ayim, May, Das Jahr 1990. Heimat und Einheit aus afro-deutscher Perspektive, in: Ika Hügel u.a. (Hg.): Entfernte Verbindungen. Berlin 1993, S. 215.

[4] So die Formulierung in „Ramlers Bericht über Anschaffung von 150 Mohren“ vom 25. 11. 1714 an König Friedrich Wilhelm I., der die „Mohren-Sklaven“ ins preußische Militär zwingen wollte. Die Formulierung belegt die semantische Nähe der Worte „Mohren“ und „Sclaven“, die von Verteidigern des Straßennamens in Frage gestellt wird, in: Richard Schück: Brandenburg-Preußens Kolonial-Politik unter dem Großen Kurfürsten und seinen Nachfolgern (1647-1721), Leipzig 1889, Bd. II, S. 564.

[5] Pressemitteilung vom 21. 5. 2005. http://www.cdu-fraktion.berlin.de/Aktuelles/Pressearchiv/Mohrenstrasse-ist-kein-rassistischer-Name

[6] Landesarchiv Berlin A Rep. 000-02-01, Nr. 2193 (Vorlage vom 19. 3. 1912)

[7] Mit dem Viertel haben sich in den letzten Jahrzehnten nur wenige Autor/innen gründlicher auseinandergesetzt. Auch sie übersahen, dass dessen kolonialpropagandistische Ausrichtung schon fast ein Jahrzehnt vor den Verhandlungen mit Hagenbeck bestimmt wurde. Lesenswert zum Thema koloniale Straßennamen in Berlin sind vor allem: Hahn, Gisela, Der Platz an der Sonne – Das „Afrikanische Viertel“ im Wedding, in: Berliner Geschichtswerkstatt (Hrsg.), Sackgassen. Keine Wendemöglichkeit für Berliner Straßennamen, Berlin 1988, S. 112-124; Honold, Alexander, Afrikanisches Viertel. Straßennamen als kolonialer Gedächtnisraum, in: Birthe Kundrus (Hrsg.), Phantasiereiche. Zur Kulturgeschichte des deutschen Kolonialismus, Frankfurt/Main 2003, S. 312; Aikins, Joshua Kwesi, Die alltägliche Gegenwart der kolonialen Vergangenheit. Entinnerung, Erinnerung und Verantwortung in der Kolonialmetropole Berlin, in: Herta Däubler-Gmelin / Ann K. Helfrich / Ekkehard Münzing/Christian Walther (Hrsg.), Afrika. Europas verkannter Nachbar, Band 2, Frankfurt 2008; Aikins, Joshua Kwesi/Hoppe, Rosa, Straßennamen, in: Susan Arndt / Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.), Wie Rassimus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache, Ein kritisches Nachschlagewerk, Hamburg 2011.

[8] In vielen Fällen tragen diese Kolonialviertel ähnlich verharmlosende Bezeichnungen wie in Berlin, so u.a. in Köln, Hannover, Duisburg und Kassel. Für eine Übersicht zu den Kolonialstraßen und –vierteln siehe die Website zum Wanderausstellunsgprojekt freedom roads! koloniale straßennamen/postkoloniale erinnerungskultur. Geschichte, Kunst und Beteiligung, http://www.freedom-roads.de/frrd/staedte.htm

[9] Ernst Friedel war einer der frühesten aktiven Befürworter einer preußischen Kolonialpolitik und langjähriges Mitglied der Deutschen Kolonialgesellschaft.

[10] Geheimes Staatsarchiv (GStA)  PK: HA I Rep. 77, Tit. 1319, Nr. 2, Bd. 17.

[11] GStA  PK: HA I Rep. 77, Tit. 1319, Nr. 2, Bd. 17.

[12] Im Berliner Wedding und im Stadtteil Dahlem (Bezirk Steglitz-Zehlendorf) finden sich auch kleinere koloniale Straßencluster, die den Überfall auf das Chinesische Kaiserreich und die deutschen Annexionen in Asien und Ozeanien glorifizieren: Pekinger Platz / Kiautschoustraße / Samoastraße und Takustraße / Lansstraße / Iltisstraße.

[13] GStA PK HA I Rep. 77 [MdI] Tit. 1319 Nr. 2 Bd. 17 [unpaginiert].

[14] GStA PK HA I Rep. 77 [MdI] Tit. 1319 Nr. 2 Bd. 17 [unpaginiert].

[15] Dazu ausführlich: Schneppen, Heinz, Sansibar und die Deutschen. Ein besonderes Verhältnis, 1844-1966, Münster 2003. Wer sich einen Urlaub auf Sylt leisten kann, wird schnell erkennen, wie sehr Sansibar (und Samoa) auch außerhalb des Berliner Stadtviertels ein kolonialer Erinnerungsort der Deutschen geblieben ist.

[16] Zur Haft der afrikanischen Geiseln in Berlin siehe: Die Gartenlaube, Nr. 21, 1884. Zur Erpressung des „Schutzvertrages“ durch Gustav Nachtigals Verlängerung dieser Haft siehe den Bericht seines Reisegefährten Max Buchner: Buchner, Max, Aurora Colonialis. Bruchstücke eines Tagebuchs aus dem ersten Beginn unserer Kolonialpolitik, 1884-1885, München 1914, S. 46 f.

[17] Biloa Onana, Marie, Gustav Nachtigal und die Begründung der deutschen Kolonie Kamerun, Ausstellungstafel der Wanderausstellung freedom roads! – koloniale straßennamen, postkoloniale erinnerungskultur

[18] Der Allgemeine Deutsche Verband (bald darauf Alldeutscher Verband) wurde mit seinem radikal-imperialistischen, nationalistischen und bald auch antisemitischen Programm unter seinem einflussreichen Führer Alfred Hugenberg zu einem der wichtigsten geistigen Wegbereiter des NS-Regimes.

[19] Die Urteile der Disziplinargerichte gegen Dr. Karl Peters, Reichskommissar a.D., München 1907, S. 39.

[20] Hahn, Der Platz an der Sonne. Das „Afrikanische Viertel“ im Wedding, S. 112-124.

[21] BER (Hrsg.) Dossier: Straßennamen mit Bezügen zum Kolonialismus in Berlin, Berlin 2008, online unter: http://ber-ev.de/download/BER/03-positionen/f-kolonial/2008-11-13_dossier-kolonialistische-strassennamen.pdf

[22] Website der Initiative Pro Afrikanisches Viertel (Stand 11. 9. 2012): http://www.pro-afrikanisches-viertel.de/

[23] Redebeitrag des Sprechers der NGO-Straßeninitiative Yonas Endrias (Global Afrikan Congress) vom 8. 6. 2012.

[24] Ayim, May, Blues in Schwarzweiß, in: Blues in Schwarzweiß, Berlin 1995.