Berlin Postkolonial

Am 8. Juni wurde die erste Informationstafel im "Afrikanischen Viertel" enthüllt

Müller-/Ecke Otawistraße

U-Bahnhof Rehberge

Plakat zu freedom roads!Nach Jahrzehnten zivilgesellschaftlicher Kritik an Deutschlands größtem Kolonialviertel ist es nun soweit: Seit dem 8. Juni 2012 steht im sogenannten Afrikanischen Viertel (Berlin-Mitte) eine erste Informations- und Gedenkstele, welche die Geschichte des Viertels, des deutschen Kolonialismus und des afrikanischen Widerstands näher beleuchtet.

Die Tafel ist ein Novum, denn nach langer Diskussion präsentiert sie nun  z w e i  Erklärungstexte: Einen Text des Stadtbezirkes und einen alternativen Text, den Berlin Postkolonial gemeinsam mit den Vertreter_innen von Adefra, AfricAvenir International, Afrika-Rat Berlin-Brandenburg, Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlags (BER) und Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund) erarbeitet hat.

Die Tafel soll nur der erste Schritt sein zu der seit langem geforderten und mittlerweile beschlossenen Umgestaltung des Viertels von einem kolonialen zu einem postkolonialen "Lern- und Gedenkort". Dass ein solcher Ort ohne die Umbenennung der Lüderitzstraße, der Petersallee und des Nachtigalplatzes (sie ehren die Begründer der ehemaligen deutschen Kolonien) zugunsten einer Würdigung ermordeter afrikanischer Persönlichkeiten des Widerstands gegen die deutschen Kolonialisten nicht entstehen kann, machte Yonas Endrias, der Redner unseres NGO-Bündnisses, zur Einweihung erneut deutlich.

Leider wurde bei der Enthüllung der Stele auch deutlich, dass der respektvolle Umgang miteinander noch immer keine Selbstverständlichkeit ist. Da nämlich offenbarte sich zur Überraschung vieler Anwesender, dass das Bezirksamt den von Schwarzen und weißen Fachleuten gemeinsam verfassten Alternativ-Text der NGOs auf der zu einem Baum gewandten Rückseite platziert hatte. Wir haben mittlerweile Einspruch erhoben und der Bezirk hat eine baldige Korrektur in Aussicht gestellt.

Video zur Tafelenthüllung:

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