Berlin Postkolonial

"Im Geiste guten gegenseitigen Einvernehmens" - Bismarcks Berliner Afrika-Konferenz*

Christian Kopp

 

Deutschland ist jetzt als Kolonialmacht zu betrachten und damit in der Lage, eine Konferenz in Berlin vorzuschlagen. Man wird unser Land hören auf diesem wichtigen Kongress, der darauf zielt, die Grundlagender zukünftigen Regierung für diese weiten Gebiete zu schaffen.

- Kaiser Wilhelm I., 1884 -

Niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit haben sich die Staaten eines Kontinents zur Aufteilung eines anderen zusammengefunden, eines Erdteils dessen rechtmäßige Herrscher von dieser Aufteilung nicht einmal Kenntnis hatten.

- G.N.Uziogwe, 1984 -

 

Auf Einladung der Regierungen des Deutschen Reichs und der Französischen Republik kamen am 15. November 1884 die Vertreter zehn weiterer europäischer Staaten, der USA und des Osmanischen Reichs zu einem Treffen zusammen, das afrikaweit als Berlin Conference bzw. als Conférence de Berlin bekannt ist, in Europa hingegen zumeist als zweitrangiges Ereignis der Diplomatiegeschichte betrachtet wird. Dabei ging es auf dieser Konferenz um nicht weniger als um die koloniale Aufteilung Afrikas – und Bismarcks Regierung hatte entscheidenden Anteil daran.

"Wettlauf" um Afrika

Die Aufteilung des afrikanischen Kontinents unter den Europäern hatte längst begonnen, als die Vertreter der Großmächte sich im Winter 1884/85 in Berlin versammelten. So setzten sich die Portugiesen schon im 16. Jahrhundert an den Küsten Angolas und Mosambiks fest, im 17. Jahrhundert okkupierten holländische Siedler die Kapgegend Südafrikas, Algerien wurde 1830 von Frankreich erobert und 1861 annektierte Großbritannien Lagos im heutigen Nigeria. Über all diese Jahrhunderte hinweg blieb der weitaus größte Teil des Kontinents jedoch unter afrikanischer Kontrolle, denn nur selten reichte die Herrschaft der Europäer weit über die Küstengegenden hinaus und selbst diese waren keineswegs vollständig annektiert.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann sich das allmählich zu ändern, doch erst zu Beginn der 1880er Jahre spitzte sich der Expansionismus der Großmächte dann zur oft verharmlosend als Scramble for Africa (Wettlauf um Afrika) bezeichneten Konkurrenz um neue Herrschaftsbereiche in Afrika zu. Kurz nach der Annexion Ägyptens durch Großbritannien (1882) erhob Frankreich auf zentralafrikanische Gebiete am Nordufer des Kongo Anspruch. Im Januar 1884 rief der belgische König Leopold II. den Freihandel und Neutralität versprechenden „Kongo-Freistaat“ aus. Zur selben Zeit trafen Nachrichten über einen geplanten Vertrag zwischen Portugal und Großbritannien über die Anerkennung portugiesischer Herrschaftsansprüche im Gebiet der Kongomündung ein. Noch war nicht abzusehen, wie die Auseinandersetzung um das „Herz Afrikas“ ausgehen würde, aber seine Aufteilung unter den Europäern stand im Frühjahr 1884 vor der Tür.

Deutsche Interessen

Zeitgleich entbrannte auch Streit um die für weniger wertvoll gehaltenen Küsten Westafrikas. Das war vor allem Deutschland zuzuschreiben, das bisher keine Kolonien in Afrika besaß. Im Herbst 1883 hatte Reichskanzler Bismarck bei der britischen Regierung vorgefühlt, wie es um ihre Ansprüche auf das vom Bremer Kaufmann Lüderitz „erworbene“ Angra Pequena in Südwestafrika stünde. Er erhielt als Antwort, dass „obwohl die Regierung Ihrer Majestät nicht den Anspruch auf Souveränität im gesamten Landesgebiet erhebe (…), sie es doch als Verletzung ihrer legitimen Rechte betrachten würde, wenn eine andere Nation die Souveränität oder Gerichtshoheit über das Gebiet zwischen dem südlichsten Punkt des portugiesischen Herrschaftsgebietes (…) und der Grenze der Kapkolonie beanspruchte.“

Nicht bereit, Großbritannien die Vorherrschaft auch über die noch nicht formal annektierten Küstengebiete zuzugestehen, kündigte Bismarck daraufhin an: „Überall, wo England nicht tatsächlich Jurisdiktion ausübt und unseren Angehörigen ausreichenden Schutz gewährt, [müssen wir] diesen Schutz selbst in die Hand nehmen.“ Er schickte schließlich Gustav Nachtigal in geheimer Mission nach Westafrika und am 24. April 1884 wurde das Küstengebiet in Südwestafrika unter den „Schutz“ des Reiches gestellt. Nach Nachtigals Verträgen mit den Königen Mlapa, Akwa und Bell erhob Deutschland im Juli 1884 auch an der Küste von Togo und Kamerun offizielle Ansprüche.

Die "Kongofrage"

Möglich wurde dieser Eintritt Deutschlands in den Kreis der Kolonialmächte vor allem durch die sich zeitgleich formierende internationale Opposition gegen den portugiesisch-britischen Vertrag über die Kongomündung. Als Portugal ein internationales Treffen der „interessierten Mächte“ zur Klärung seiner Rechte an der Kongomündung vorschlug, zogen Deutschland und Frankreich die Initiative an sich. Von Beginn an federführend war dabei Bismarcks Regierung, die das größte Interesse an der Ausrichtung einer bedeutenden Konferenz hatte, auf der weit mehr diskutiert werden sollte als Portugals Ansprüche.

Unter völliger Missachtung der Eigentums- und Herrschaftsrechte von Millionen afrikanischer Menschen verständigte man sich mit Frankreich schon im Vorfeld der Konferenz auf die Anerkennung von Leopolds II. „Kongo-Freistaat“ und die Schaffung einer riesigen Freihandelszone im „Kongobecken“, das einen Großteil Zentralafrikas umfasste. Für das Nigergebiet wollten Deutschland und Frankreich gern eine vergleichbare Regelung finden, wegen des erwarteten Widerstands Großbritanniens, das dort den größten Einfluss ausübte, beschränkte man sich allerdings auf das Ziel einer freien Schifffahrt für alle Europäer.

Das Prinzip „effektive Besetzung“

Wichtiger für Deutschland war jedoch die berüchtigte Bestimmung der späteren "General-Akte", die eine „effektive Besetzung“ beanspruchter Küstengebiete zur Voraussetzung für ihre internationale Anerkennung erhob. Von Anfang an hatte Bismarck größten Wert darauf gelegt, nicht mit französischen Territorialansprüchen in Westafrika zu kollidieren. Im September 1884 beruhigte er Frankreich mit der Versicherung: „Die Ausdehnung unserer kolonialen Besitzungen ist nicht Gegenstand unserer Politik; wir haben nur im Auge, dem deutschen Handel den Eingang nach Afrika an Punkten zu sichern, welche bis jetzt von der Herrschaft anderer europäischer Mächte unabhängig sind.“ [1]

Wenig später erhielt die deutsche Regierung, was sie wollte: Frankreichs Premier gab seiner Zuversicht Ausdruck, dass sich die deutsch-französischen Grenzziehungsverhandlungen in Togo und Kamerun problemlos gestalten würden. Gegen die britischen Hegemoniebestrebungen sollte Bismarcks Konferenz in Berlin nun vor allem eines erwirken: Die Anerkennung des neuen deutschen „Kolonialbesitzes“ durch die anderen europäischen Staaten. Entsprechend wurde Großbritannien bis zum Abschluss der Vorbereitungen über die Tagesordnung der Konferenz im Unklaren gelassen.

Moderne Sklaverei

Am 15. November 1884 schließlich kamen die Großmächte in Berlin zusammen. Sie einigten sich auf die Einrichtung kontinuierlich arbeitender Ausschüsse, deren Ergebnisse auf regelmäßigen Konferenzsitzungen besprochen werden sollten. In die gut drei Monate später, am 26. Februar 1885 verabschiedete General-Akte der Berliner Konferenz wurden über die angekündigten Ziele der Konferenz hinaus noch eine Neutralitätserklärung für das Kongobecken sowie – auf Initiative Großbritanniens – eine Verpflichtung zur Unterdrückung des Sklavenhandels aufgenommen. Im Wesentlichen aber konnte sich das Deutsche Reich mit seinen Vorstellungen zur Regierung in Zentralafrika und zur Besitzergreifung an den Küsten des Kontinents durchsetzen.[2]

Beginnend mit den britischen und den US-amerikanischen Konferenzvertretern haben zahlreiche Kommentatoren der Konferenz die Abwesenheit afrikanischer Vertreter bei diesen Vorgängen in Berlin beanstandet. Zieht man aber in Betracht, dass die von Bismarck aufgestellten Prinzipien den größten Teil des afrikanischen Kontinent ungeachtet aller vor Ort abgeschlossenen Verträge nun als terra nullius, als Niemandsland, definierten und seine Bewohner und Bewohnerinnen damit vollends zu  O b j e k t e n  des internationalen Rechts herabsetzten, wird nachvollziehbar, warum ihre Anwesenheit in Berlin für überflüssig erachtet wurde.[3]

Beginn einer gemeinsamen europäischen "Entwicklungspolitik"

Nicht zufällig stellt die Berliner Afrika-Konferenz aber auch die Geburtsstunde einer gemeinsamen „Entwicklungspolitik“ der europäischen Regierungen gegenüber Afrika dar. Schon in seiner Eröffnungsrede hatte Bismarck betont, „dass alle eingeladenen Regierungen den Wunsch teilen, den Eingeborenen Afrikas den Anschluss an die Zivilisation zu ermöglichen“.[4] Die General-Akte der Konferenz tönte dann, dass alle unterzeichnenden Staaten „auf Mittel zur Hebung der sittlichen und materiellen Wohlfahrt“ afrikanischer Menschen bedacht wären.[5]

Was sich heute angesichts ihrer gleichzeitigen Enteignung und Entmündigung als blanker Zynismus darstellt, konnte im damaligen Europa überzeugend vertreten werden: Imperialismus und Paternalismus gingen Hand in Hand. Schon vor der Berliner Konferenz hatte der deutsche Reeder und Kolonialist Adolph Woermann gezeigt, wie schamlos der eigene Vorteil mit den Interessen afrikanischer Menschen dabei in eins gesetzt werden konnte: „Es liegt auf der Hand, dass in Afrika zwei große ungehobene Schätze zu finden sind: Die Fruchtbarkeit des Bodens und die Arbeitskraft vieler Millionen Neger. Wer diese Schätze zu heben versteht [...], der wird nicht nur viel Geld verdienen, sondern auch gleichzeitig eine große Kulturmission erfüllen.“[6]

Berliner Grenzen

Der weit verbreiteten Annahme, dass alle bis heute bestehenden afrikanischen Grenzen am Berliner Konferenztisch gezogen wurden, ist in der Geschichtsschreibung häufig und zu Recht widersprochen worden. Denn in der Tat waren einige Kolonialgrenzen schon vorher bestimmt, andere wurden erst deutlich später verhandelt und die Generalakte der Konferenz selbst kennzeichnet lediglich die Begrenzung des „natürlichen Kongobeckens“.

Dennoch kann kaum bestritten werden, dass die europäischen Regierungen der einleitenden Aufforderung Bismarcks folgten und die Gelegenheit nutzten, sich „über Fragen zu verständigen, die mit der Abgrenzung ihrer Kolonialgründungen zusammenhingen“.[7] Zum einen betraf das natürlich die Abmachungen zu den Kongo-Inlandsgrenzen zwischen Frankreich, Portugal und dem „Kongo-Freistaat“. Zum anderen wurden aber im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Berliner Konferenz auch die Küstengrenzen der neuen deutschen Herrschaftsgebiete in Angra Pequena (Südwestafrika), Kamerun und Togo sowie die gleich nach Konferenzende beanspruchten Gebiete in Ostafrika ausgehandelt. Im Zusammenhang mit den vom Kongo vorgegebenen Inlandsbegrenzungen ließ sich so 1885 schon annähernd erkennen, wie die späteren Kolonien - und die heutigen Staaten im Süden der Sahara - begrenzt sein würden.

Beschleunigung der gewaltsamen Kolonisation

Mit Hinsicht auf die konkrete Umsetzung ihrer Bestimmungen ist die Berliner Afrika-Konferenz oft als „wirkungslos“ beschrieben worden. Tatsächlich blieb das zentralafrikanische „Kongobecken“ nicht „frei“ für internationale Unternehmungen. Der Sklavenhandel wurde von den Europäern nur halbherzig unterdrückt und auch die europäischen „Besitzergreifungen“ an den ohnehin schon fast komplett annektierten afrikanischen „Küsten“ vollzogen sich nur selten nach den in Berlin aufgestellten Regeln. Aus einer weniger eurozentrischen Perspektive sind die einschneidenden Folgen des Berliner Treffens jedoch unübersehbar.

So hat Bismarcks Forderung nach einer „effektiven Besetzung“ den Prozess der tatsächlichen Annexion afrikanischer Länder unzweifelhaft beschleunigt – ganz so, wie es die britische Times schon am 5. Dezember 1884 vorausgesehen hatte: „Was Portugal und die von ihm beanspruchten Gebiete (...) angeht, kann man sich kaum vorstellen, wie es seine Souveränität dort erhalten will, ohne (...) gemäß den neuen Regeln afrikanisches Gebiet effektiv zu besetzen. Und Frankreich wird zweifellos dasselbe tun. Erst nach Schluss der Konferenz wird sich herausstellen, was der Wettlauf um Afrika wirklich bedeutet.“

Ganz direkt betraf dies zum Beispiel die in Berlin „begründeten“ deutschen „Schutzgebiete“. Nicht nur erhielt nun auch Carl Peters gleich nach Abschluss der Konferenz einen kaiserlichen „Schutzbrief“ für die von ihm beanspruchten Gebiete in Ostafrika. Mit dem Einsatz der deutschen Marine in Kamerun noch während der Weihnachtspause der Berliner Konferenz [8] wurde dann auch umgehend eine Tradition kolonialer Gewalt begründet, die ihre furchtbaren Höhepunkte in den genozidal geführten Kolonialkriegen in „Deutsch-Südwestafrika“ und „Deutsch-Ostafrika“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand. Die schlimmsten Folgen hatte die Konferenz aber wohl für die Bevölkerung Zentralafrikas, wo König Leopolds II. skrupellos profitorientiertes Regime innerhalb weniger Jahre schätzungsweise zehn Millionen Menschen das Leben kostete.

Schlüsselrolle für das Verhältnis zwischen Europa und Afrika

Für die vielen Millionen Bewohner und Bewohnerinnen des in Berlin aufgeteilten Kontinents und ihre Nachfahren war das, was da ohne ihr Wissen entschieden wurde, zweifellos von gravierender Bedeutung. Aber auch für Europa und vor allem für das weitere Verhältnis der beiden Kontinente zueinander spielten die Bestimmungen der Berliner Afrika-Konferenz eine Schlüsselrolle. Denn nicht nur wurde die afrikanische Bevölkerung in Berlin vollständig entrechtet. Zum ersten Mal wurde hier auch ein gesamteuropäischer „Entwicklungsauftrag“ gegenüber Afrika formuliert, der in dem Aufruf der versammelten Großmächte gipfelte, „die Eingeborenen zu unterrichten und ihnen die Vorteile der Civilisation verständlich und werth zu machen“. [9]

Die tiefe Demütigung, die mit der rassistischen Kolonialideologie verbunden war, hat wohl niemand eindringlicher als der burundische Priester Michel Kayoya in seinem Gedicht „Das Selbstbewusstsein des Kolonisierten“ geschildert:

Dieser Vertrag von Berlin hat mich lange gekränkt.

Jedes Mal, wenn ich auf dieses Datum stieß,

Empfand ich dieselbe Verachtung. (...)

Das schlimmste aber war, dass man mich dieses Datum lehrte.

Ich musste es auswendig lernen.

Eine ganze Unterrichtsstunde lang nannte man uns

Die Namen der Vertragspartner von Berlin,

Ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten,

Ihr diplomatisches Geschick,

Die Beweggründe, die hinter einem jeden standen.

Vor unseren unbeweglichen Gesichtern breitete man die Folgen aus:

Die Befriedung Afrikas,

Die Wohltaten der Zivilisation in Afrika,

Den Mut der Forscher,

Den selbstlosen Humanismus,

Aber niemand,

Absolut niemand wies hin auf die Beleidigung,

Auf die Schmach, die uns überall begleitete.[10]

 


 

* Der Text erschien zuerst unter dem Titel "Das Schlüsselereignis des modernen Kolonialismus" in INKOTA-Dossier 5 "Der Kolonialismus und seine Folgen" (INKOTA-Brief 149/ September 2009), S. 3-5. Für diese Website wurde er geringfügig geändert und aktualisiert.

Einganszitate

Kaiser Wilhelm I. an den König von Portugal, 19.10.1884, zit. In: R. Robinson: "The Conference in Berlin and the Future in Africa, 1884-85", S. Förster, W. J. Mommsen und R. Robinson (Hrsg.) Bismarck, Europe, and Africa: The Berlin Africa Conference 1884/85 and the Onset of Partition, Oxford 1988, S.9 sowie G. N. Uzoigwe: "The Results of the Berlin West Africa Conference: An Assessment", ebd., S.541 (Übersetzung C.K.)

[1] Schreiben des Reichskanzlers an den Botschafter der Französischen Republik in Berlin, 13. September 1884, In:Aktenstücke betreffend die Kongo-Frage, April 1885, S.1659, Nr. 34

[2] General-Akte der Berliner Konferenz vom 26. Februar 1885, In: Aktenstücke betreffend die Kongo-Frage, April 1885, S. 1664 ff, Nr. 44

[3] Der amerikanische Vertreter Kasson gab auf der 8. Sitzung des Plenums am 31.01.1885 zu Protokoll: "Das moderne Völkerecht verfolgt unbeirrbar einen Weg, der zur Anerkennung des Rechtes der eingeborenen Rassen führt, frei über sich selbst und über ihre ererbte Erde zu verfügen. In Übereinstimmung mit diesem Grundsatz wäre meine Regierung bereit, sich einer weitergehenden Regelung anzuschließen, die auf dem Prinzip beruhen würde, die freiwillige Zustimmung der Eingeborenen, von deren Land Besitz ergriffen wird, in allen Fällen vorzusehen,wenn sie nicht einen Agressionsakt provoziert haben sollten." Im Protokoll ist die Reaktion des deutschen Versammlungsleiters Busch festgehalten: "Der Präsident weist darauf hin, dass der erste Teil der Erklärung von Herrn Kasson delikate Fragen berühre, über welche die Konferenz kaum eine Meinung zu äußern habe; es genüge, die von dem Bevollmächtigten der Vereinigten Staaten von Amerika entwickelten Überlegungen im Protokoll wiederzugeben." In: Frank Thomas Gatter (Hrsg.) Protokolle und Generalakte der Berliner Afrika-Konferenz, 1884-85, Bremen 1984, S. 407-408

[4] Eröffnungsrede von Bismarck im Protokoll der 1. Sitzung, 15. November 1884, In: Frank Thomas Gatter (Hrsg.) Protokolle und Generalakte der Berliner Afrika-Konferenz, 1884-1885, Bremen 1984, S. 101

[5] Präambel der General-Akte der Berliner Konferenz, In: Aktenstücke betreffend die Kongo-Frage, April 1885, S. 1664

Treffend kommentierte die Saturday Review schon am 29.11.1884: „ …the august assembly has begun apportioning territory and disposing of several millions of people for all the world like the Sovereigns who partioned Poland. The States represented at Berlin have also [...] begun making private arrangements behind the back of the Conference [...] There is nothing very new in the story. Philanthropic gabble about raising populations and promoting civilization commonly ends in this sort of thing.”

[6] Adolf Woermann, 1883, zit. in: R. Hücking & E. Launer: Aus Menschen Neger machen: Wie sich das Handelshaus Woermann an Afrika entwickelt hat, Hamburg 1986

[7] siehe: Eröffnungsrede von Bismarck im Protokoll der 1. Sitzung, 15. November 1884, In: Frank Thomas Gatter (Hrsg.) Protokolle und Generalakte der Berliner Afrika-Konferenz, 1884-1885, Bremen 1984, S. 105

[8] siehe auch: Prinz Kum'a Ndumbe III. "Déclaration Solennelle: 22 décembre 1884 - 22 décembre 2009: Il y a 125 ans, des Camerounais ont dit non au colonialisms européen"

Außerdem: "Aus Kriegsbeute wird Schenkung" über die schon 1884 in Kamerun geraubte und bis heute nicht zurückerstattete Königsinsignie im Münchner Völkerkundemuseum, "Hinterland-Magazin", 30.11.09

[9] siehe: Kapitel I, Artikel 6 der General-Akte der Berliner Konferenz, In: Aktenstücke betreffend die Kongo-Frage, April 1885, S. 1666

Anders urteilen:

Andreas Eckert: "125 Jahre Berliner Afrika-Konferenz: Bedeutung für Geschichte und Gegenwart", In: GIGA Focus, 12 (2009)

Helmut Bley: "Künstliche Grenze, natürliches Afrika? Um die Berliner Kongokonferenz von 1884-1885 ranken sich allerhand Mythen", In: iz3w Nr. 282 (Januar/Februar 2005), S. 14fff

Horst Gründer: "Der „Wettlauf“ um Afrika und die Berliner Westafrika-Konferenz 1884/85", In: Ulrich van der Heyden / Joachim Zeller (Hg.):Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche, Berlin 2002, S. 19-23.

Aber siehe auch die Publikationen zum 100. Jahrestag der Berliner Afrika-Konferenz:

Stig Förster, Wolfgang J. Mommsen und Ronald Robinson (Hrsg.): Bismarck, Europe, and Africa: The Berlin Africa Conference 1884-1885 and the Onset of Partition, Oxford 1988

Ruth Weiss & Hans Mayer: Afrika den Europäern! Von der Berliner Afrika-Konferenz 1884 ins Afrika der neuen Kolonisation, Wuppertal 1984

[10] Michel Kayoya: "Das Selbstbewusstsein des 'Kolonisierten'", In: Auf den Spuren meines Vaters, Wuppertal 1973

Dokumente

Protokolle und Generalakte der Berliner Afrika-Konferenz, 1884-1885, hrsg. von Frank Thomas Gatter und Jean Suret-Canale, Bremen 1984

Bayerische Staatsbibliothek: Aktenstücke betreffend die Kongo-Frage nebst einer Karte von Zentral-Afrika von L. Friederichsen in Hamburg. Dem Bundesrath und dem Reichstag vorgelegt im April 1885

Berliner Staatsbibliothek: Amtspresse Preußens (Neueste Mittheilungen) zur deutschen Kolonialpolitik (1884-1894)

Radiobeitrag

Der Ausverkauf Afrikas - Die Berliner Konferenz und ihre Folgen

Beitrag von radioWissen - Bayern 2 am 16.11.09