Berlin Postkolonial

Far, far away? | Filmvorführungen für Schulklassen

In Kooperation mit AfricAvenir International e.V. bieten wir zwei Filmvorführungen für Schulklassen an, bei denen der Kolonialismus aus der Perspektive von Nachfahren Kolonisierter beleuchtet wird. Die Schüler_innen werden zum Perspektivenwechsel angeregt und der weitgehend eurozentrischen Darstellung des Kolonialismus in den Geschichtsschulbüchern wird eine andere Sicht entgegengesetzt.

 

 


Fr. 11.12 | Namibia: Genocide and the Second Reich von David Adetayo Olusoga

Termin: Freitag, 11. Dezember 2015, 10-13 Uhr

Ort: Centre Français de Berlin, Müllerstrasse 74, 13349 Berlin (Wedding)

Eintritt: 4€ Schüler/innen, begleitende Lehrkräfte frei.

Vor nun hundert Jahren starben ¾ der Herero und die Hälfte der Nama-Bevölkerung in der damaligen deutschen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“, heute Namibia, durch die Hand ihrer Kolonialherren, viele von ihnen kamen in Konzentrationslagern um. Heute fordern die Nachkommen der Überlebenden eine aufrichtige, offizielle Entschuldigung von Seiten der deutschen Regierung für diese Verbrechen und Entschädigung für den Raub ihres Landes und ihres Viehs.

Der herausragende Dokumentarfilm „Namibia: Genocide and the Second Reich“ von 2004 setzt sich offensiv mit dem Genozid des deutschen Kaiserreiches auseinander und deckt seine zahlreichen Verbindungen zur Ideologie und Herrschaft der Nationalsozialisten auf.

Der britisch-nigerianische Filmemacher David Adetayo Olusoga beleuchtet auf eindrückliche Weise die Verbrechen und historischen Zusammenhänge, die zwischen 1904 und 1908 zum Völkermord an den Herero und Nama sowie zu den ersten deutschen Konzentrationslagern geführt haben.

Darüber hinaus schlägt der Regisseur in seinem Dokumentarfilm die Brücke zur aktuellen Landverteilung in Namibia und verdeutlicht dabei die nachhaltigen Auswirkungen der kolonialen Unterdrückung durch die deutsche Besatzung: Der größte Anteil der kommerziell nutzbaren Landstriche gehören bis heute weißen Farmern, die jedoch nur 6% der Gesamtbevölkerung ausmachen. Forderungen nach einer Beschleunigung der nach 1990 eingeleiteten Landreform bleiben ungehört.

Der gesamte Film wird gestützt durch Interviews und bewegende Beiträge seitens der Überlebenden, ihren Nachkommen und Repräsentant*innen der Reparationsbewegung. Eine fesselnde, aufklärende und teilweise zutiefst erschütternde Dokumentation, die diesem für lange Zeit verdrängten Teil der deutschen Geschichte offen ins Gesicht blickt und dabei hilft, auch den Holocaust besser zu verstehen.

Im Anschluss an die Filmvorführung findet ein Gespräch mit dem Herero Israel Kaunatjike und dem Historiker Christian Kopp vom Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“ statt, die sich für eine Entschuldigung Deutschlands und für Entschädigungsverhandlungen mit den Herero und Nama einsetzen. (Moderation der Diskussion: Marion Davenas)

Altersempfehlung: ab 15 Jahren, oder ab der 10. Jahrgangsstufe.

Unterrichtsfächer: Geschichte, Sozialkunde, Politikwissenschaft, Ethik/Religion,

Themen: Zweiter Weltkrieg, Kolonialismus, Nationalsozialismus, Kolonialsoldaten, Rassismus

 

Schulvorführung: „Namibia: Genocide and the Second Reich“
David Adetayo Olusaga, BBC Document 2004
58 Min, OmU, Original mit deutschen Untertiteln.

Fr, 11. Dezember 2015, 10:00 Uhr

Eintritt: 4,00 € pro SchülerIn, begleitende Lehrkräfte frei

Anmeldung: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. / 030-26934764

 

 


 

Mi. 7.10 um 10 Uhr | Tage des Ruhms (Indigènes) von Rachid Bouchareb

Tage des Ruhms

Termin: Mittwoch, den 7. Oktober 2015, 10-13 Uhr

Ort: Centre Français de Berlin, Müllerstrasse 74, 13349 Berlin (Wedding)

Eintritt: 4€ pro Schüler/in, begleitende Lehrkräfte frei

Um Frankreich von den deutschen Besatzern zu befreien, stellt De Gaulle 1943 ein Heer aus 233.000 Kolonialsoldaten auf, vorwiegend aus Afrika. Angeführt von Sergent Martinez marschieren die Algerier Said, Yassir, Abdelkader und Messaoud nach Italien, wo sie in der verlustreichen Schlacht von Monte Cassino ihre Feuerprobe bestehen müssen. Im Rahmen der Operation Dragoon landen sie anschließend in Südfrankreich, wo sie zur Befreiung Marseilles beitragen. Die französischen Ideale von Gleichheit und Brüderlichkeit gelten allerdings für die Nordafrikaner nicht – immer wieder erfahren sie Diskriminierung und Rassismus aus den eigenen Reihen. Als Speerspitze im Kampf um das Reich erleben sie im Elsass das finale Gefecht mit der Wehrmacht.

Herausragender Spielfilm, der in Frankreich eine nationale Debatte über den Beitrag der Kolonialsoldaten auslöste. Die Hauptdarsteller erhielten 2007 in Cannes kollektiv den Preis für die beste Hauptrolle.

Im Anschluss an die Filmvorführung findet ein Gespräch mit dem Berliner Filmkurator und Autor Enoka Ayemba statt, dessen Arbeitsschwerpunkt der antikoloniale Widerstand ist. (Moderation der Diskussion: Marion Davenas)

Pressestimmen
Herausragend! Der kraftvollste Kriegsfilm des Jahres“ The Times

Die Kampfszenen sind von außergewöhnlicher Präzision. Ein verdammt guter Kriegsfilm“ New York Times

Der beste Kriegsfilm seit Der Soldat James Ryan“ BBC Radio 5

Wahrhaftig und bewegend“ Chicago Tribune

Tage des Ruhms ist nicht nur eine bewegende Geschichtsstunde und ein actiongeladener Kriegsfilm, er ist auch ein kämpferisches Statement über die anhaltende Diskriminierung heutzutage“ USA Today

"Rachid Bouchareb, selbst algerischer Herkunft, gelang mit "Tage des Ruhms" ein außergewöhnlicher Kriegsfilm, der 2007 auch für den Auslands-Oscar nominiert war. Die überragenden, in Cannes mit dem Darstellerpreis geehrten Hauptdarsteller lassen den Zuschauer förmlich ihre Angst vor dem Tod, das Fremdsein im eigenen Land und die Verzweiflung über den täglichen Rassismus spüren. Dabei formuliert Bouchareb keine platte Anklage, sondern bleibt immer nüchtern und lässt die großartig-subtilen Bilder und Szenen für sich selbst sprechen." cineastentreff.de

Altersempfehlung: ab 15 Jahren, oder ab der 10. Jahrgangsstufe.
Unterrichtsfächer: Geschichte, Sozialkunde, Politikwissenschaft, Ethik/Religion,
Themen: Zweiter Weltkrieg, Kolonialismus, Nationalsozialismus, Kolonialsoldaten, Rassismus

Schulvorführung: “Tage des Ruhms”
Rachid Bouchareb, Spielfilm, DZ/MA/F/B 2006, 119 Min, OmU, Original mit deutschen Untertiteln.

Mi, 07. Oktober 2015, 10:00 Uhr
Eintritt: 4,00 € pro SchülerIn, begleitende Lehrkräfte frei
Anmeldung: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.oder 030-26934764

Festivals und Auszeichnungen

  • Oscar®-Nominierung 2007 - Bester ausländischer Film
  • Festival de Cannes 2006 - Bestes Schauspiel
  • César Awards 2006 - Bestes Drehbuch
  • Etoile D´Or 2007 - Bester Film

Rachid Bouchareb hat langwierige Recherchen in französischen Staatsarchiven und Bibliotheken durchgeführt. Die wichtigsten Hintergrundinformationen lieferten ihm jedoch afrikanische Veteranen und ihre Nachfahren:

"Wir haben Leute gesucht, die diese Epoche noch miterlebt haben, und reisten nach Bordeaux, Marseilles und Nantes, aber auch in den Senegal, nach Marokko und Algerien. Auf den Erfahrungen und Gefühlen dieser Zeitzeugen beruht unser Film. Bei den Gesprächen mit ihnen wurde mir klar, dass ich nicht die Geschichte eines einzelnen Soldaten erzählen wollte, sondern eine Geschichte, die für den gesamten afrikanischen Kontinent steht," so Bouchareb über seinen Film.

 

 

 

Zwei Veranstaltungen von Berlin Postkolonial, dem Institut für diskriminierungsfreie Bildung und AfricAvenir International in Kooperation mit dem Centre Français de Berlin.

Gefördert aus Mitteln der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung, Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit, des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt-Evangelischer Entwicklungsdienst.

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„Namibia: Genocide and the Second Reich“