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„Viele schöne Grüße an die Bewohner der Ghanastrasse!“ - Wie fünf junge Ghanaer nach Berlin kamen und was aus ihnen geworden ist *

Ursula Trüper

 

Mit einem Foto fing alles an. Es zeigt fünf junge Afrikaner, vier Männer und eine Frau, unter einem Schild der Ghanastrasse im Afrikanischen Viertel im Wedding. Auf der Rückseite des Fotos ist zu lesen, wann es gemacht wurde und warum. Nämlich am 17.7.1958 anlässlich Namensgebung der Ghanastrasse. Bei dieser Gelegenheit hatte man auch mehrere „Studenten aus Ghana (in Berlin studierend)“ eingeladen. Im Juli 2008, also genau ein halbes Jahrhundert nach dem damaligen Fototermin, schickte ich eine Mail in die Welt: „Wer kennt die fünf abgebildeten Ghanaer? Wir würden sie gerne für unser nächstes Afrika-Magazin interviewen“. Danach geschah erst mal lange nichts.

Einweihung Ghanastraße, 1958Die feierliche Einweihung der Ghanastraße im so genannten Afrikanischen Viertel in Wedding (Berlin-Mitte) im Jahre 1958. Ehrengäste waren in Berlin studierende Ghanaer_innen, links der damalige SPD-Bezirksbürgermeister. (Foto: Landesarchiv Berlin)

Frank Kwami

Dann erhielt ich eines Tages folgende Mail:

„Ich denke, ich kenne die Ghanaer auf dem Foto. Hoffe, dass ich die Namen hinbekomme (von links): 1. Emanuel Sekyi (Arzt), 2. Ivy Rau (auch Medizinerin, verheiratet mit einem deutschen Fotografen) 3. Paul Appiagyei. 4. Francis Nkrumah, ältester Sohn von Kwame Nkrumah. 5. Alex Adomako.

Alle fünf waren enge Freunde meines Vaters (der etwas rechts, außerhalb des Fotos stehen müsste). Mein Vater ist nach Ghana zurück, wo er heute noch lebt. Ich lebe mit meiner Mutter und meinen drei Geschwistern in Berlin. Ich hoffe, dass Du Erfolg hast mit Deiner Recherche. Lg. Mark Kwami.“ Die erste Spur!

Ich treffe mich mit Mark Kwami in seinem Laden mia (für „Made in Africa“) in der Elberfelder Straße in Moabit. Kwami betreibt einen Handel für afrikanisches Design. Seine frühen Kinderjahre hat er in Ghana verbracht. Er gibt mir die Telefonnummer seines Vaters.

Als ich Professor Frank Kwami in Accra anrufe, erinnert sich der 76-Jährige noch genau an den Tag, an dem die Ghanastrasse ihren Namen erhielt. „Es war vormittags gegen 11 Uhr. Ich war damals Senior-Student, d.h. man hat mir erzählt, dass wir dort eingeladen sind und ich habe das den anderen Studenten aus Ghana weitergesagt. Ich selber konnte leider nicht anwesend sein. Ich hatte Vorlesungen,“ sagt Kwami und lacht. „Ich war ein sehr gewissenhafter Student.“

Frank Kwami ist nicht der erste in seiner Familie, der eine Ausbildung in Deutschland macht. Sein Großvater Robert Kwami hatte, noch zu Kaisers Zeiten, ebenfalls eine Zeitlang in Deutschland gelebt, in Bremen. Im Auftrag der Bremer Mission hatte er die weite Reise unternommen, um Prediger zu werden. Enkel Frank hingegen entscheidet sich für ein eher handfestes Studium – Maschinenbau an der Technischen Universität. Möglich wird dies durch ein Stipendium des soeben unabhängig gewordenen Staates Ghana. Staatschef Kwame Nkrumah hat ehrgeizige Pläne – für Ghana und für ganz Afrika. Er setzt alles daran, in möglichst kurzer Zeit eine afrikanische Elite heranzuziehen, die die alte koloniale Oberschicht ersetzen soll. Nicht nur Studenten aus Ghana werden damals gefördert, sondern Studenten aus dem gesamten afrikanischen Kontinent.

Nach dem Examen arbeitet Frank Kwami als wissenschaftlicher Assistent an der TU und schreibt gleichzeitig seine Doktorarbeit. An den Titel erinnert er sich noch: „Grundlagen der Antriebstechnik“. In dieser Zeit heiratet er auch und seine vier Kinder kommen zur Welt. 1969 kehrt der junge Wissenschaftler mit seiner ganzen Familie nach Ghana zurück. Sie lassen sich in der ehemaligen Hauptstadt Kumasi nieder, wo Dr. Kwami an der dortigen Technischen Universität zunächst als Professor und später als Präsident tätig ist. Mittlerweile ist er längst im Ruhestand. Noch immer ist er dankbar für die Möglichkeiten, die ihm das Bildungsprojekt Nkrumahs geboten hat. „Ohne das Stipendium,“ sagt er, „hätte sich meine Familie mein Studium nicht leisten können.“

Ivy Rau, geb. Welsing

Wenige Wochen danach trifft eine weitere Mail bei mir ein, von Uwe Rau, der mir mitteilt, dass es sich bei der einzigen Frau auf dem Foto NICHT um seine Frau handle. Trotzdem will ich natürlich mit ihr sprechen.

Ivy Rau gehörte, ebenso wie die unbekannte Frau auf dem Foto, zu den wenigen ghanaischen Frauen, die damals in Berlin studierten. Sie ist Ärztin und hatte bis zu ihrer Pensionierung eine Praxis in Mölln. Sie besitzt dort auch ein Haus und einen Teil des Jahres verbringen sie und ihr Mann in Schleswig-Holstein. „Mein Vater,“ erzählt sie, „wollte mich eigentlich nach England schicken. Wir waren ja Teil des britischen Commonwealth.“ Und tatsächlich geht die junge Ivy Welsing zunächst nach London. „Und dann kam plötzlich unser Vertreter,“ erinnert sie sich, „und sagte: Es gibt eine große Veranstaltung in Moskau mit ausländischen Gästen aus aller Welt. Ob jemand von uns mitwolle? Wir müssten natürlich unsere Fahrt selber bezahlen.“ Die große Veranstaltung in Moskau waren die „Weltfestspiele der Demokratischen Jugend“ von 1956. Ivy, jung und abenteuerlustig, spart sich die Reise zusammen. Sie ist begeistert: „Es war fantastisch: diese Stadt und auch die Menschen, die uns alle bewundert haben. Also wir wurden nicht etwa angeglotzt, sondern es gab echtes Interesse an uns.“ Danach hat Ivy keine Lust mehr, nach London zurückzukehren. Dort hat sie sich oft recht verlassen und einsam gefühlt. Zudem ist das Leben in London teuer und sie weiß nicht, wie lange ihr Vater ihr das Studium überhaupt noch finanzieren kann. Einer ihrer Kommilitonen erzählt ihr, dass es neuerdings ein besonderes Förderprogramm für Studenten aus Ghana gibt. Ivy überlegt nicht lange und sagt zu. Ihr neuer Studienort ist allerdings nicht Moskau, sondern Leipzig. Sie wohnt in einem internationalen Studentenheim und paukt erst mal deutsch. „Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt,“ erzählt sie. Leipzig mit seinen vielen Studenten aus der Dritten Welt und aus dem gesamten Ostblock hat schon zu DDR-Zeiten internationales Flair. Nur schade, dass es zu dieser Zeit in der gesamten DDR keine anderen Ghanaer gibt. Und so entschließt sie sich schließlich, nach Westberlin überzusiedeln. Dort gibt es bereits eine ghanaische Botschaft, und dort gibt es vor allem eine ghanaische Community.

Im Wintersemester 1958/59 schreibt sich Ivy Welsing an der Freien Universität ein, für das Fach Medizin. Auch sie erhält nun ein Stipendium ihres Heimatlandes. Und sie erfüllt die Erwartungen, die man in sie setzt: ihr Studium schließt sie mit Auszeichnung ab. Doch zuvor lernt sie einen jungen Fotografen namens Uwe Rau kennen, der noch heute von den wilden Festen von damals schwärmt. „Da wurde ausschließlich zu ghanaischer Musik getanzt, Ghana Highlife. Diese Musik erfreute sich in meinem Freundeskreis einer außerordentlichen Beliebtheit.“ Getanzt wurde überhaupt sehr häufig. Auf privaten Partys oder in den jeweils angesagten Lokalen. Zum Beispiel im „International“ in der Schöneberger Hauptstrasse. „Dort gab es die heißeste Musik Berlins,“ erinnert sich Rau. „Und dort war der Treffpunkt für die afrikanischen Studenten mit den Berlinerinnen.“ Ivy und Uwe hatten meist einen Sonderstatus: „Sie war die einzige schwarze Frau und ich der einzige weiße Mann.“

Von der Familie Rau erhalte ich den Hinweis auf eine weitere Spur: Helga Sekyi in Spandau.

Emanuel Sekyi

„Aber das ist ja mein verstorbener Mann,“ ruft Helga Sekyi spontan, als sie zum erstenmal das Ghanastraßen-Foto sieht. „Der junge Mann ganz links, das ist er!“ Kennen gelernt hat sie ihn 1960 beim Weihnachtsball im Hotel Hilton. Sie war dort mit zwei Freundinnen. Und außerdem war da auch eine ganze Clique von gutaussehenden, elegant gekleideten, tanzbegeisterten jungen Männern aus Afrika. Einer von ihnen hat sie immer wieder aufgefordert. Emanuel Sekyi hieß er, er studierte Medizin an der FU und er stammte aus Ghana.

1968, nach Sekyis Abschlussexamen, heiraten Emanuel und Helga. Da ist Kwame Nkrumah, der durch seine kompromisslos antikoloniale Politik den Unmut des Westens erregte, bereits seit zwei Jahren durch einen Militärputsch gestürzt. Der Internationale Währungsfonds erhält Einfluss auf die ghanaische Wirtschaft. Hohe Arbeitslosigkeit, politische Destabilisierung und eine katastrophalen Versorgungslage für die Bevölkerung sind die Folge. Dennoch ist es für den frisch gebackenen Mediziner selbstverständlich, dass er nun nachhause zurückkehrt, um beim Aufbau seines Landes zu helfen. Er reist zunächst voraus, um für seine mittlerweile dreiköpfige Familie eine Existenz aufzubauen. 1972 folgen ihm seine Ehefrau mit der kleinen Tochter Simone. Die Familie lässt sich in Mampong nieder, einer kleinen Stadt, nicht allzu weit entfernt von Kumasi. Dort arbeitet Dr. Sekyi an einer großen Klinik, zunächst als Chirurg, später als Chefarzt. „Die Umstellung war für mich natürlich riesengroß,“ erinnert sich Helga Sekyi. „Aber ich war neugierig. Ich wollte das Land kennen lernen. Ich bin in die kleinen Dörfer gegangen und habe mich, so gut es ging, mit den Leuten unterhalten. Auch das ungewohnte afrikanische Essen hat mir immer besser geschmeckt.“ Doch es wird immer schwieriger, Wasser, Lebensmittel und Benzin für das dringend benötigte Auto aufzutreiben. 1981 entschließen sich die Sekyis, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Emanuel Sekyi mit schwerem Herzen. Dieses Mal geht es umgekehrt. Zuerst reist Helga Sekyi voraus „mit den Kindern, meinem Schnellkochtopf und den Fotoalben.“ Sie lebt zunächst bei ihrer Mutter in Haselhorst, bis sie Arbeit gefunden hat und eine Wohnung. Danach kommt auch Emanuel Sekyi nach Berlin. Mit über 50 Jahren fängt er noch einmal ganz von vorn an. Er eröffnet eine Praxis in der Pariser Strasse. Aber es ist ihm nicht vergönnt, diese noch lange zu betreiben. 1989 stirbt er mit 58 Jahren.

Francis Nkrumah

Von den Raus erhalte ich auch die Telefonnummer von Francis Nkrumah, dem ältesten Sohn von Kwame Nkrumah. Auf dem Foto ist er der zweite Mann von rechts. Obwohl schon längst pensioniert, ist Professor Nkumah immer noch ein vielbeschäftigter Mann. Als ich in Accra anrufe, ist er gerade auf einer Konferenz im Ausland. Damals in Berlin studierte er Medizin und machte 1962 seinen Doktor zum Thema: “Untersuchung über die Häufigkeit von Arteriosklerose-Komplikationen, insbesondere Coronarsklerose und Myokardinfarkt bei der Bevölkerung von Ghana Westafrika.” Später ging Nkrumah in die USA und spezialisierte sich als Kinderarzt. Danach arbeitete er lange Zeit als Professor für Kinderheilkunde an der Universität von Harare/Zimbabwe. 1990 kehrte er nach Ghana zurück, wo er das Noguchi Memorial Institute in Accra leitete, eine Forschungseinrichtung, die sich mit der Entwicklung von Impfungen für tropische Krankheiten wie Meningitis und Malaria beschäftigt.

Ich schicke ihm per Mail das Foto und bitte ihn, ein wenig über seine Zeit in Berlin zu erzählen. Die Antwort kommt prompt. “Das Bild hat mich auf die Erinnerungsspur gesetzt,” schreibt Professor Nkrumah. “Wie schnell die Jahre vergangen sind! Ja, der zweite Mann von rechts bin ich und neben mir steht Paul Appiagyei, der Agrarwissenschaft an der TU studierte. Traurigerweise starb Paul vor einigen Jahren. Er hat an unserer Technischen Universität in Kumasi gelehrt. Irgendwie kann ich mich aber nicht an die junge Frau auf dem Bild erinnern.

Nun zu mir. Ich wurde im April 1935 in Ghana geboren und kam 1954 nach Deutschland. Ursprünglich war ich an der Universität Würzburg und ging dann 1958 an die Freie Universität Berlin, um mein Medizinstudium und meine Zeit als Assistenzarzt abzuschließen. Nach Ghana bin ich 1963 zurückgekehrt. Berlin war in der Tat eine aufregende Stadt, obwohl sie geteilt war. Da sie eine so kosmopolitische Stadt war, gab es wenig eigentliches ‘Studentenleben’. Aber wir haben unsere Geselligkeit auf unsere eigene Art organisiert. Ich erinnere mich auch noch gut an das historische Ereignis des Mauerbaus, während wir dort waren.”

Seit 2001 ist Professor Nkrumah pensioniert, beteiligt sich jedoch noch immer an der Forschungsarbeit seines Instituts. „Ich frage mich manchmal, was eigentlich die genaue Definition von Pensioniert-sein ist“, pflegt er auf die Frage, ob er nicht irgendwann mal aufhören wolle, zu antworten. „Wenn ich das herausgefunden habe, werde ich entscheiden, was ich weiter tun werde.“

Brian Alex Adomako

Dann kommt noch eine Mail aus Ghana. Von Herrn Dipl. Ing. Brian Alex Adomako:
„Ich wohne in Téma bei der ghanaischen Hauptstadt Accra seit 1970. Ich war in Deutschland von 1954 bis 1968 und studierte Schiffsmaschinenbau an der TU Berlin. Während dieser Zeit machte ich Praktika oder studierte in Stuttgart, Ludwigsburg, Bremen, Bremerhafen, Kiel, Lübeck, Hamburg, Hannover, Berlin, München, Düsseldorf, Leipzig, Vegesack, usw.”

Auf dem Bild steht Brian Adomako ganz rechts, direkt hinter der Straßenschildstange. “Ehrlich gesagt,” schreibt er weiter, “ich kann mich nicht daran errinnern, wie die Ghanastraße eingeweiht wurde. Denn damals gab es so viele Einladungen. Das Bild hat mich sehr  überrascht. Die meisten von den Kommilitonen leben inzwischen leider nicht mehr. Mit den wenigen, die noch leben, gibt es leider auch nicht mehr so viel Kontakt. Jeder von ihnen ist über 70 Jahre alt und bleibt lieber mehr zuhause mit der Familie. Nach dem Studium an der TU, im Jahre 1962, arbeitete ich bei der AEG-Turbinenfabrik in Moabit für zwei Jahre als design engineer. Danach ging ich zur See als Schiffsingenieur. Meine ehemalige Frau Beryll und die Kinder, Roy und Abenaa können mehr über mich erzählen.”

Wie sie ihren geschiedenen Mann kennengelernt hat, weiß Beryll Adomako noch genau. Es war an ihrem 21. Geburtstag. Sie gab eine Party und ihre Freundin Ivy Welsing hatte einen Landsmann mitgebracht: Brian Adomako. Es scheint gleich gefunkt zu haben, denn seit dieser Zeit sind Beryll und Brian unzertrennlich. Sie verabreden sich fürs Kino und zum Schiffsbauer-Fest an der TU. Außerdem organisieren die Studenten aus Ghana jedes Wochenende irgendwelche Feste oder Partys. “Wir haben uns jede Woche ein anderes Kleid genäht”, erinnert sich Beryll Adomako.

1962 schließt Adomako sein Studium als Schiffsbauingenieur ab, heiratet, seine Tochter Abenaa kommt zur Welt. Nach einem Intermezzo bei der AEG-Turbinenfabrik in Moabit bewirbt er sich erfolgreich um einen Job bei der englischen Black Star Line. Seine Aufgabe ist es, monatelang als Schiffsingenieur auf einem Frachtschiff Dienst zu tun. Und die Familie? Die Adomakos beschließen, gemeinsam zur See zu fahren. Auch Abenaa und später der kleine Bruder Roy kommen mit. Fünf Jahre lang, bis Abenaa ins schulpflichtige Alter kommt, schippert die Familie zwischen England, Afrika und den USA über die Ozeane. “Das war eine wunderbare Zeit,” berichtet Beryll Adomako mit leuchtenden Augen. Gewiss, die Sakuma Lagoon ist ein Frachtschiff und kein Luxusdampfer, doch den Adomakos wird nicht langweilig. Auch die Ehefrau und der kleine Sohn des Kapitäns leben an Bord. Es werden Feste und Bälle organisiert und in den Häfen kann man in den Räumen der seaman mission tanzen gehen.

Dann beschließt Brian Adomako, nach Ghana zurückkehren. Der erfahrene Schiffsbauingenieur mit dem Auslandsstudium wird dort mit offenen Armen empfangen. Er wird Direktor des Trockendocks in Téma, dem Haupthafen von Ghana. Seine Zeit an Bord der Sakuma Lagoon hat er nicht vergessen. Er hat sich ein Haus in Form einer Schiffsbrücke erbauen lassen, ganz aus Holz, mit Bullaugen und auf Säulen, in dem er heute noch lebt. “Viele schöne Grüße aus Ghana an die Einwohner der Ghanastrasse und von ganz Wedding,“ schreibt Brian Adomako zum Abschied in seiner Mail. „Wenn ich wieder in Berlin bin, komme ich bestimmt die Ghanastrasse und das Afrikanische Viertel besuchen”.

Nachtrag. Noch eine Mail aus Ghana.

Monate später – der obige Beitrag ist mittlerweile in dem Magazin “Afrikanisches Viertel” veröffentlicht worden – bekomme ich eine weitere Mail aus Ghana, von Nana Kwadwo Owusu. Er schreibt: „Meine Mutter ist Mrs. Agnes Owusu. Sie ist die Frau in der vordersten Reihe auf dem Foto. Sie war mit ihrem Mann, Kwabena Owusu, zusammen in Berlin, damals, als er dort studierte.

Nach einer Lehrer-Ausbildung und einem Jahr Arbeit in Ghana, damals noch Gold-Küste, hat sich meine Mutter 1954/55 entschieden, nach England zu gehen, um eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen. Ein Jahr später kam mein Vater nach Deutschland, um sein Studium anzufangen. Er kannte meine Mutter schon in Ghana und hat anscheinend die Beziehung aufrechterhalten. Jedenfalls haben meine Eltern in Dezember 1957 in England geheiratet. Nach Abschluss ihrer Krankenschwestern-Ausbildung ist meine Mutter nach Berlin gegangen. Ein Jahr später, im Januar 1959, bin ich zur Welt gekommen, in ein „ganz kaltes winterliches Berlin“ :-). Zumindest hat mein Patenonkel, Professor Schultze-Berendt, das Wetter in einer Willkommenskarte für mich so beschrieben!

Als Ein-jähriger bin ich dann mit meinen Eltern nach Ghana zurückgegangen. Später bin ich wieder nach Berlin gekommen, um zu studieren. Nach dem Studium habe ich einige Jahre in Deutschland gelebt und bin 1995 zurück nach Ghana.

Meine Mutter wohnt normalerweise bei mir in Ghana, aber sie ist gerade bei meiner Schwester in Kanada zur Besuch. Es wäre eine reine Freude für mich, wenn Sie ein Paar Exemplare Ihres Magazins an meine Mutter und meinen Vater schicken könnten.“ Versteht sich, dass wir das getan haben!

 

 


 

* Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift "Afrikanisches Viertel", Ausgabe 01/2009, hrsg. von Ursula Trüper und der Initiative Afrikanisches Viertel, S. 6ff