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 Far, far away? | Schulprojekte

Tage des Ruhms

Während der Projekttage, die von einem migrantisch-diasporischen 2er Team gestaltet und geleitet wurden, erhielten die Schülerinnen an konkreten Orten ihrer Lebenswelt Eindrücke von den Perspektiven der Nachfahren Kolonisierter auf die Kolonialgeschichte Berlins und von ihren bis in die heutige Zeit reichenden Folgen. Dabei wurden die Multiperspektivität von Geschichte und Gegenwart deutlich und die kritische Reflexion des eigenen Standpunkts gefördert. Die in Vor- und Nachbereitung eingebetteten Stadtraumbesuche ließen den Schüler*innen viel Raum für individuelle Nachfragen und offene Diskussionen zum deutschen Kolonialismus.

In Kooperation mit AfricAvenir International e.V. haben wir Schulklassen zwei Filmvorführungen für Schulklassen angeboten, bei denen der Kolonialismus aus der Perspektive von Nachfahren Kolonisierter beleuchtet wurde. Die Schüler*innen wurden dadurch zum Perspektivenwechsel angeregt und der weitgehend eurozentrischen Darstellung des Kolonialismus in den Geschichtsschulbüchern wird eine andere Sicht entgegengesetzt.

 Gezeigt wurden die Filme Tage des Ruhms (Indigènes) von Rachid Bouchareb und Namibia: Genocide and the Second Reich von David Adetayo Olusoga.

Um Frankreich von den deutschen Besatzern zu befreien, stellt De Gaulle 1943 ein Heer aus 233.000 Kolonialsoldaten auf, vorwiegend aus Afrika. Angeführt von Sergent Martinez marschieren die Algerier Said, Yassir, Abdelkader und Messaoud nach Italien, wo sie in der verlustreichen Schlacht von Monte Cassino ihre Feuerprobe bestehen müssen. Im Rahmen der Operation Dragoon landen sie anschließend in Südfrankreich, wo sie zur Befreiung Marseilles beitragen. Die französischen Ideale von Gleichheit und Brüderlichkeit gelten allerdings für die Nordafrikaner nicht – immer wieder erfahren sie Diskriminierung und Rassismus aus den eigenen Reihen. Als Speerspitze im Kampf um das Reich erleben sie im Elsass das finale Gefecht mit der Wehrmacht.

Herausragender Spielfilm, der in Frankreich eine nationale Debatte über den Beitrag der Kolonialsoldaten auslöste. Die Hauptdarsteller erhielten 2007 in Cannes kollektiv den Preis für die beste Hauptrolle.

Im Anschluss an die Filmvorführung fand ein Gespräch mit dem Berliner Filmkurator und Autor Enoka Ayemba statt, dessen Arbeitsschwerpunkt der antikoloniale Widerstand ist. (Moderation der Diskussion: Marion Davenas)

Altersempfehlung: ab 15 Jahren, oder ab der 10. Jahrgangsstufe.

Unterrichtsfächer: Geschichte, Sozialkunde, Politikwissenschaft, Ethik/Religion

Themen: Zweiter Weltkrieg, Kolonialismus, Nationalsozialismus, Kolonialsoldaten, Rassismus

Mi, 07. Oktober 2015, 10:00 Uhr

 

Namibia: Genocide and the Second Reich von David Adetayo Olusoga

Vor nun hundert Jahren starben ¾ der Herero und die Hälfte der Nama-Bevölkerung in der damaligen deutschen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“, heute Namibia, durch die Hand ihrer Kolonialherren, viele von ihnen kamen in Konzentrationslagern um. Heute fordern die Nachkommen der Überlebenden eine aufrichtige, offizielle Entschuldigung von Seiten der deutschen Regierung für diese Verbrechen und Entschädigung für den Raub ihres Landes und ihres Viehs.

Der herausragende Dokumentarfilm „Namibia: Genocide and the Second Reich“ von 2004 setzt sich offensiv mit dem Genozid des deutschen Kaiserreiches auseinander und deckt seine zahlreichen Verbindungen zur Ideologie und Herrschaft der Nationalsozialisten auf.

Der britisch-nigerianische Filmemacher David Adetayo Olusoga beleuchtet auf eindrückliche Weise die Verbrechen und historischen Zusammenhänge, die zwischen 1904 und 1908 zum Völkermord an den Herero und Nama sowie zu den ersten deutschen Konzentrationslagern geführt haben.

Darüber hinaus schlägt der Regisseur in seinem Dokumentarfilm die Brücke zur aktuellen Landverteilung in Namibia und verdeutlicht dabei die nachhaltigen Auswirkungen der kolonialen Unterdrückung durch die deutsche Besatzung: Der größte Anteil der kommerziell nutzbaren Landstriche gehören bis heute weißen Farmern, die jedoch nur 6% der Gesamtbevölkerung ausmachen. Forderungen nach einer Beschleunigung der nach 1990 eingeleiteten Landreform bleiben ungehört.

Der gesamte Film wird gestützt durch Interviews und bewegende Beiträge seitens der Überlebenden, ihren Nachkommen und Repräsentant*innen der Reparationsbewegung. Eine fesselnde, aufklärende und teilweise zutiefst erschütternde Dokumentation, die diesem für lange Zeit verdrängten Teil der deutschen Geschichte offen ins Gesicht blickt und dabei hilft, auch den Holocaust besser zu verstehen.

Im Anschluss an die Filmvorführung fand ein Gespräch mit dem Herero Israel Kaunatjike und dem Historiker Christian Kopp vom Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“ statt, die sich für eine Entschuldigung Deutschlands und für Entschädigungsverhandlungen mit den Herero und Nama einsetzen. (Moderation der Diskussion: Marion Davenas)

Altersempfehlung: ab 15 Jahren, oder ab der 10. Jahrgangsstufe.

Unterrichtsfächer: Geschichte, Sozialkunde, Politikwissenschaft, Ethik/Religion,

Themen: Zweiter Weltkrieg, Kolonialismus, Nationalsozialismus, Kolonialsoldaten, Rassismus