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"Deutsche Frauen nach Südwest!" - der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft *

Cornelia Carstens / Gerhild Vollherbst

 

Das ehemalige „Afrika-Haus“ steht noch heute nahe dem Landwehrkanal, Am Karlsbad 10, unweit des Potsdamer Platzes. Das Gebäude, das nach 1945 von der Senatsverwaltung für Jugend und Familie genutzt wurde, lässt nichts mehr von seiner kolonialen Vergangenheit erahnen. Seit 1911 wurde hier kolonialpolitische Lobbyarbeit betrieben; das Haus war Sitz der „Deutschen Kolonialgesellschaft“ und seit 1913 auch des „Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft“.

Diese koloniale Frauenorganisation ist 1907 unter dem Namen „Deutschkolonialer Frauenbund“ von Ehefrauen von Offizieren der südwestafrikanischen „Schutztruppe“, Unternehmern und hohen Beamten gegründet worden. Damals befand sich die Geschäftsstelle noch in der nahegelegenen Potsdamer Straße 134. Federführend bei der Gründung war Adda Freifrau von Liliencron, die zuvor schon durch kolonialverherrlichende Veröffentlichungen bekannt geworden war. 1908 beschlossen die Gründerinnen des Frauenbundes, sich als korporatives Mitglied der „Deutschen Kolonialgesellschaft“ (DKG) anzuschließen, da sie sich dadurch eine größere Effektivität ihrer Arbeit erhofften und benannten den Verein fortan „Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft“ (FDKG).

„Weiblicher Kultureinfluss“ in den Kolonien

Nach zwei Jahrzehnten Kolonisierung hatten sich um die Jahrhundertwende bereits viele Deutsche vor allem in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika (D-SWA, heute Namibia) angesiedelt, allerdings hauptsächlich Männer. Die Kolonialherrschaft war z.T. in brutalen Kriegen gegen die indigene Bevölkerung durchgesetzt worden. Kolonialpolitik war Männerpolitik. Was hatten Berliner Frauen mit den Kolonien in Afrika zu tun?

Im „Mutterland“ machten sich national gesinnte Frauen aus dem gehobenen Bürgertum Sorgen um die „Erhaltung des Deutschtums in den Kolonien“. Obwohl deutsche Frauen noch bis 1919 von der Regierungs- und Parlamentsarbeit ausgeschlossen waren, betrieben sie aktive Kolonialpolitik in dem Rahmen, den die Frauenbewegung seit Jahrzehnten nutzte: in Vereinen, Hilfskomittées, durch propagandistische Reden, Vorträge und Zeitschriftenartikel. Der FDKG kann zum konservativen Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung im Deutschen Kaiserreich gezählt werden; 1911 trat die Organisation dem „Bund Deutscher Frauenvereine“ bei.

In der Vereinszeitschrift „Kolonie und Heimat” wurde dazu aufgerufen, die kolonialpolitischen Bestrebungen des FDKG zu unterstützen. Deutsche Frauen wurden aufgefordert, ihren „weiblichen Kultureinfluß“ einzubringen: „Wenn an Stelle der einigen tausend Männer, die jetzt in den Kolonien wohnen, erst einige tausend Familien draußen eine zweite Heimat sich geschaffen haben, werden die Kolonien zu dem werden, was sie werden sollen und können, zu einem Neudeutschland!“[1]

„Mädchenmaterial“ für die koloniale "Rassenhygiene"

Den Siedlern in D-SWA, der wichtigsten Ansiedlungskolonie des Deutschen Reichs, sollten deutsche Frauen zur Heirat und zur Vergrößerung der weißen Bevölkerung an die Seite gestellt werden, denn, so Gertrud von Richthofen-Damsdorf, „die Männerwelt begann zu verrohen, der Alkoholgenuß nahm Überhand, die deutsche Sprache wurde mit Brocken aus der Eingeborenen‑ und Burenrede durchsetzt. Da auf eine weiße Frau sechs Männer kamen, gab es kein Mittel, um das Anwachsen der Mischlingsbevölkerung zu verhindern. Es wuchs ein Bastardgeschlecht heran, das im Jahre 1909 schon 4.282 Köpfe zählte und die Eigenschaften beider Rassen in ungünstiger Mischung vereinte.”[2]

Der FDKG hatte sich gleich nach seiner Gründung – bezugnehmend auf rassistische und sozialdarwinistische Ideologien - in die Diskussion um die so genannten Mischehen in der Kolonie D-SWA eingeschaltet, denn eines seiner Hauptziele war, die weitere „Verkafferung” der deutschen Kolonien zu verhindern. „Mischehen“ waren nach der Niederschlagung des Hereroaufstandes 1904/05 verboten worden, 1907 wurden auch die bereits bestehenden für ungültig erklärt, und 1908 entzog die Kolonialverwaltung den „Mischlingskindern“ die ihnen bis dahin zugestandene deutsche Staatsbürgerschaft. Trotzdem gäbe es, so die Klage des FDKG, immer noch Männer ohne „Rassenbewußtsein”.

Die langjährige Vorsitzende des FDKG, Hedwig Heyl, bezeichnete es deshalb als ihre wichtigste Aufgabe, „Frauen für die Kolonisten auszusuchen, Siedlungen durch Ehen zu befestigen und überhaupt geeignetes Mädchenmaterial zu verschicken.”[3] Die Geschichte und Politik des FDKG sind eng mit Hedwig Heyl verbunden. Die Unternehmerin und Hauswirtschaftsfachfrau war eine der führenden Vertreterinnen des konservativen Flügels der bürgerlichen Frauenbewegung in Berlin.

Der FDKG verzeichnete 1914 fast 19.000 Mitglieder; in 145 Städten gab es Geschäftsstellen, meist von Fabrikanten‑ oder Offiziersgattinnen geleitet. Die Verbreitung des „Kolonialgedankens“ speziell unter Frauen wurde mit der Vereinszeitschrift „Kolonie und Heimat“, aber auch mit zahlreichen Veranstaltungen wie „Kolonialkaffees“, Vorträgen, Lichtbilder- oder Theateraufführungen verfolgt. Große Kolonialfeste und Unterhaltungsabende, die auch zusammen mit der DKG veranstaltet wurden, galten in den oberen Schichten des Kaiserreichs als gesellschaftliche Ereignisse, die man nicht versäumen durfte.

Um die Frauenauswanderung zu steigern, arbeitete der FDKG außerdem eng zusammen mit den Kolonial‑Frauenschulen in Carthaus bei Trier, Rendsburg und später auch Bad Weilbach. Dort wurden gebildete junge Frauen aus höheren Schichten in allen Zweigen des Haushalts, in den für die Kolonie notwendigen Handfertigkeiten, in der Krankenpflege sowie in praktischer Buchführung unterwiesen. Die Berufstätigkeit in der Kolonie war jedoch nur als Übergangsphase gedacht. Das Ziel der kolonialen Schulausbildung war die Vorbereitung auf ein Ehe- und Familienleben als Farmersfrau.

Anwerbung und Vermittlung von Frauen für „Deutsch-Südwestafrika“

Der Gouverneur von D-SWA, Theodor Leutwein, hatte sich 1896 mit der dringenden Bitte an die DKG gewandt, die Ansiedlung von weißen deutschen Frauen in der Kolonie zu forcieren. Er fürchtete um den Bestand der Kolonie, da, so die Behauptung, mehr als 90% der deutschen Siedler in „Konkubinatsverhältnissen“ mit Frauen der kolonisierten Bevölkerung zusammenlebten. Die „Mischlingsbevölkerung“ nahm in einem solchen Maße zu, dass die weiße Kolonistengesellschaft ihren Herrschaftsanspruch in Gefahr sah.

Die ersten von der DKG unterstützten Frauen kamen 1898 in die Kolonie – und waren in kürzester Zeit verheiratet. Zwischen 1898 und 1907 begleitete die Organisation insgesamt 501 Frauen bei ihrer Ansiedlung in D-SWA. Der FDKG entwickelte erstmals ein spezielles Anwerbungsprogramm und steigerte die Auswanderung von Frauen um ein Vielfaches: Bis 1913 waren mit Unterstützung der beiden Kolonialorganisationen fast 1.500 deutsche Frauen nach D-SWA ausgewandert.

Zur Steigerung der Frauenansiedlung arbeiteten die beiden Verbände Hand in Hand. Der FDKG übernahm hierbei die Werbung, Auswahl und Aussendung der Frauen, die in der Kolonie ein Arbeitsverhältnis als Dienstmädchen, Hauswirtschafterin, Lehrerin oder Kindergärtnerin eingehen wollten, und handelte mit den zukünftigen Arbeitgebern den Arbeitsvertrag aus. Die DKG war zuständig für die Betreuung von Ehefrauen deutscher Ansiedler, für die Organisation der Übersiedlung aller Auswanderungswilligen, und die Finanzierung der Reisekosten.

Eine Kommission des FDKG in Berlin entschied darüber, wer in die Kolonie ausreisen durfte und wer nicht. Zuvor wurden vertrauliche Auskünfte über jede Bewerberin eingeholt, denn „sittlich einwandfrei“ und „wirtschaftlich tüchtig“ mussten sie sein und im heiratsfähigen Alter zwischen 20 und 35 Jahren. Außerdem wurde von den zukünftigen Ansiedlerinnen erwartet, dass sie die kolonialpolitischen Ziele des FDKG uneingeschränkt teilten.

Die Schiffsreise nach Deutsch-Südwestafrika dauerte damals 24 Tage und kostete in der dritten Klasse 250 Mark. Sowohl bei der Abreise in Hamburg als auch bei der Ankunft in D-SWA sorgte der FDKG dafür, dass die reisenden Frauen sicher begleitet wurden. Diejenigen, die in der Kolonie noch keine Stelle hatten, wurden zunächst im „Heimathaus“ in Keetmanshoop auf ihre spätere Anstellung, das „afrikanische Haushalten“, den „Umgang mit Eingeborenen“ und auf ein Leben als Farmersfrau vorbereitet.

Der Standort dieses Frauenheims lag bewusst im schwach von Deutschen besiedelten Süden der Kolonie, wo kaum weiße Frauen lebten. So wurden denn auch regelmäßig die alleinstehenden männlichen Farmer der Umgebung zu Nachmittagskaffees eingeladen, um diesem „Mangel“ abzuhelfen. Anfang 1911 zählte man in der Kolonie D-SWA 1.826 erwachsene weiße Frauen, von denen 891 mit Hilfe des FDKG eingereist waren. Der größte Teil dieser Frauen war als Dienstmädchen in Farmhaushalte deutscher Männer vermittelt worden und war dort bald verheiratet.

Vom Dienstmädchen zur "Kolonialherrin"

Der Aufenthalt in den Kolonien bedeutete für diese Kolonialfrauen einen gesellschaftlichen Aufstieg und eine große Aufwertung ihres sozialen Status, denn die meisten Frauen, die über das Einwanderungsprogramm des FDKG vermittelt wurden, kamen aus ärmeren Bevölkerungsschichten. Das „Deutsche Koloniallexikon“ berichtet, dass von 348 Frauen, die zwischen 1909 und 1912 mit Hilfe des Frauenbundes nach Südwestafrika auswanderten, 303 Dienstmädchen waren. Andere Frauen hatten Berufe, die die Ehelosigkeit voraussetzten, wie Kindergärtnerinnen, Erzieherinnen, Lehrerinnen oder Büroangestellte.

Manche machten sich selbständig als Schneiderinnen, Caféhausbesitzerinnen, Wäscherinnen oder Weißnäherinnen. Die meisten heirateten allerdings und stiegen damit zu geachteten „Pflanzersgattinnen“ auf, wurden Herrinnen und Teilhaberinnen an der Macht über die afrikanischen Farmarbeiter. „Hier hat die deutsche Frau Gelegenheit, auf ihrem ureigensten Gebiet, auf dem der Hausfrau und Mutter mitzuarbeiten. Nirgends spielt die Hauswirtschaft eine größere Rolle als in einem solchen Siedlungsland”, schrieb eine von ihnen, Maria Karow, 1911 in ihren Memoiren.[4] Und bei einer anderen, Margarethe von Eckenbrecher, hieß es: “Wohl nirgends sonst in der Welt wird uns deutschen Frauen von den Herren der Schöpfung soviel Verehrung entgegengebracht wie gerade in unseren Kolonien.”[5]

Die Siedlerinnen fühlten sich der afrikanischen Bevölkerung in jeder Hinsicht überlegen. Sie beschrieben die Afrikaner als „schmutzig und faul“; ihre Charaktereigenschaften seien, so Helene von Falkenhausen [6], „brennender Geiz, unbeschreibliche Trägheit, Verlogenheit, Hinterlist und Grausamkeit“. Vor allem den einheimischen Frauen gegenüber betonten die weißen Damen ihre vermeintliche Überlegenheit. Sie wären „ein Bild der Häßlichkeit“, „unbeschreiblich unwissend (...) in jeder Art von Arbeit“ und hätten „von Genauigkeit (...) keine Ahnung“.[7] Die Kehrseite der Medaille war die alltägliche sexuelle Gewalt weißer Männer gegenüber einheimischen Frauen, die gesellschaftlich kaum geahndet, geschweige denn bestraft wurde und in den Berichten der Kolonialfrauen selten auch nur angedeutet wurde.

„Das deutsche Familienleben“ war laut Klara Brockmann „die Grundlage für die Zukunft des neuen Landes“. Erst die Anwesenheit von weißen deutschen Frauen in der Kolonie hielt die „deutsche Kultur“ aufrecht.[8] „Mit einer eingeborenen Frau sinken die Weißen fast ausnahmslos zu den Eingeborenen hinab“, betonte Helene von Falkenhausen.[9] Die Siedlerehefrau wäre daher zur ersten „Mitarbeiterin an unseren Kulturaufgaben in Südwestafrika berufen“, schrieb Klara Brockmann in ihrer Kolonial-Werbebroschüre „Die deutsche Frau in Südwestafrika“ von 1910. Die Ehefrau machte „aus der struppigen Junggesellenwirtschaft (...) eine geordnete Häuslichkeit“.[10] Der weiße Nachwuchs war ihr ganzer Stolz: „Wie freuten wir uns, als der kleine Afrikaner so munter, mit leuchtend blauen Augen, in die Welt blickte!“, schrieb Else Sonnenberg 1905.[11]

Freiheit - auf Kosten der Kolonisierten

Klara Brockmann betonte in ihren kolonialpropagandistischen Schriften, dass die Kolonie auch eine Lebensgrundlage für deutsche Frauen bot, die nicht heiraten wollten. Auch die Autorin selbst hatte sich „in Südwest zur Selbständigkeit entschlossen“ und widmete sich voll und ganz ihrer „Arbeit im Kolonialdienste“.[12] „Wir leben im Zeitalter des Fortschritts. War es vor wenigen Jahren noch ein großes (...) Unternehmen, wenn ein Mädchen oder eine junge Frau sich entschloß, dem Manne ihrer Wahl nach Afrika zu folgen (...), so ist es heute kaum mehr ein Wagnis, wenn eine Dame mit gereiftem Charakter und einiger Lebenserfahrung es unternimmt, sich drüben auf eigene Faust eine Stellung zu schaffen.“[13]

Die alleinstehende Kolonistin schwärmte von einer ehemaligen Oberlehrerin, die nach Deutsch-Südwestafrika gekommen war, um sich als Farmerin selbständig zu machen. Die Farmerin sagte über sich: „Ich weiß, ich bin für meine Angehörigen aus der Art geschlagen. (...) Ich passe auch so wenig in diese engen Verhältnisse in Deutschland hinein, wo man jede Abweichung von der Norm als fixe Idee behandelt. Mein Wahlspruch ist kämpfen und arbeiten in Südwest, dem Lande der Freiheit. Hier will ich leben und begraben sein.“[14]

Die Kolonisierung bot weißen deutschen Frauen also nicht nur die Möglichkeit eines gesellschaftlichen Aufstiegs durch Heirat und Kindererziehung. Darüber hinaus war es gebildeten bürgerlichen Frauen möglich, aus ihren vorgeschriebenen Lebensbahnen in Deutschland auszubrechen und sich in der Kolonie „ein selbständiges Leben“ aufzubauen. Grundlage hierfür waren allerdings Rassismus, Unterwerfung der einheimischen Bevölkerung und die Schaffung gesellschaftlicher Strukturen, die die spätere Apartheid vorwegnahmen.

Fortsetzung der Aktivitäten nach 1914

Der Erste Weltkrieg beendete die Tätigkeit des FDKG, Frauen aus Deutschland für die Auswanderung in die Kolonien anzuwerben, nur vorrübergehend. In den zwanziger Jahren wurden wieder Frauen ausgesandt, so nach Südwestafrika und Tanganjika (vormals Deutsch-Ostafrika), aber auch in Länder, die zuvor nicht zum deutschen Kolonialreich gehörten, wie Südafrika, Angola, Mosambik, Kenia und Mittel- und Südamerika.[15]

Die Frauenbund-Vorsitzende Hedwig Heyl eröffnete zu Beginn des Weltkrieges einen Mittagstisch für Notleidende der gebildeten Stände und Kolonialdeutsche - die erste Mittelstandsküche in Berlin - im Gebäude des „Lyceum‑Clubs“ am Lützowplatz. Zusammen mit Gertrud Bäumer organisierte sie den „Nationalen Frauendienst“, als Kriegsunterstützung der Frauen an der „Heimatfront“, ab 1916 im Auftrag der Regierung die Massenspeisungen in Berlin. Im Krieg wurde mit der „Frauenbundspende“ Geld und Wäsche für D-SWA gesammelt, deren Erlös jedoch wegen einer Postsperre nur zum Teil abgeschickt werden konnte. Die Restsumme wurde später an die aus den Kolonien zurückkehrenden Frauen und Kinder verteilt. Diese in Empfang zu nehmen, ihnen Unterkunft, Nahrung und Kleidung zu besorgen, gehörte nun zu den Aufgaben des FDKG.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und endgültig mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages im Januar 1920 verlor Deutschland alle Kolonien. Der FDKG – nunmehr in der Potsdamer Straße 97 ansässig – bestand trotzdem weiter, um vor allem auch den „kolonialen Gedanken“ lebendig zu erhalten. In der Frauenbewegung gab es bis auf den radikalen und pazifistischen Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung keine antikolonialen Stimmen, die laut wurden.

Die nunmehr 70-jährige Hedwig Heyl zog sich aus ihren vielfältigen Aktivitäten zurück und gab den Vorsitz des FDKG an Hedwig von Bredow ab, die ihn bis 1932 inne hatte; ihr wiederum folgte Agnes von Boemcken. Der FDKG hielt während der Weimarer Republik die Verbindung zu den Kolonialfrauen in Übersee aufrecht, veranstaltete erfolgreiche Sammlungen für Kindergärten, Jugendheime und Schulen in Südwestafrika (darunter das „Hedwig von Bredow-Haus“ und das „Hedwig Heyl-Haus“ in Windhoek), damit die deutschen Kinder „unlösbar in ihrem Deutschtum verwurzelt und gegen fremde Einflüsse gefestigt“ werden.[16]

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten brachte für den FDKG die Anerkennung, die er sich immer gewünscht hatte. Und das, so stand in seinem Jahresbericht 1933/34 zu lesen, „verdanken wir einzig unserem Führer Adolf Hitler, der unserem Volk die Augen geöffnet hat über den Begriff der Volksgemeinschaft, die alle bewußt deutschen Menschen umfaßt, auch unsere Landsleute jenseits der Grenzen des deutschen Reiches.”[17] Das Ende des FDKG kam – wie auch bei allen anderen Kolonialverbänden – mit dessen Eingliederung in den 1936 neu gegründeten NS-Reichskolonialbund. Die koloniale Frauenarbeit wurde nun unter dem Dach des RKB fortgesetzt, bis dieser im Jahr 1943 jegliche Tätigkeit einstellte.[18]

 


 

* Dieser Text erschien erstmals in: Heyden, Ulrich van der / Zeller, Joachim (Hg.): Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche, Berlin 2002, S. 50-56. Für diese Website wurde er geringfügig verändert.

Kolonie und Heimat, 1907/08, Nr. 1, S. 13.

[2] Zit. n. Margret Luikenga: Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft, in: Immer den Frauen nach! Spaziergang am Landwehrkanal zur Berliner Frauengeschichte, Berlin 1993, S. 89.

[3] Zit. n. Doris Kachulle: „Verschicke nur geeignetes Mädchenmaterial“, in: taz-Bremen, 21.03.1992, S. 35; siehe auch: Hedwig Heyl: Aus meinem Leben, Berlin 1925.

[4] Maria Karow: Wo sonst der Fuß des Kriegers trat. Farmerleben in Südwest nach dem Kriege, Berlin 1911, S. 139.

[5] Margarethe von Eckenbrecher: Was Afrika mir gab und nahm. Erlebnisse einer deutschen Ansiedlerfrau in Südwestafrika, Berlin 1907 (8 Aufl. 1940), S. 54.

[6] Helene von Falkenhausen: Ansiedlerschicksale. Elf Jahre in Deutsch-Südwestafrika 1893-1904, Berlin 1905, S. 116.

[7] Karow 1911, S. 101.

[8] Klara Brockmann: Die deutsche Frau in Südwestafrika. Ein Beitrag zur Frauenfrage in unseren Kolonien, Berlin 1910, S. 2.

[9] Falkenhausen 1905, S. 188.

[10] Brockmann 1910, S. 5.

[11] Else Sonnenberg: Wie es am Waterberg zuging. Ein Beitrag zur Geschichte des Hereroaufstandes, Berlin 1905, S. 52.

[12] Brockmann 1910, S. IV.

[13] Ebd., S. 36.

[14] Ebd., S. 40.

[15] Vgl. Lora Wildenthal: German Women for Empire 1884-1945, Durham/London 2001, S. 191.

[16] Zit. n. Kachulle 1992.

[17] Ebd.

[18] Zur Thematik Frauen und Kolonialgeschichte vgl. auch: Martha Mamozai: Schwarze Frau, weiße Herrin. Frauenleben in den deutschen Kolonien, Reinbek 1989 (2. Aufl.); Karen Smidt: „Germania führt die deutsche Frau nach Südwest“. Auswanderung, Leben und soziale Konflikte deutscher Frauen in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika 1884-1920. Eine sozial- und frauengeschichtliche Studie, unveröffentl. Diss., Magdeburg 1995; Wildenthal 2001.