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Das "Tagebuch" des Chirurgen Johann Peter Oettinger.

Oettinger1886, kurz nach der Annexion erster kolonialer "Schutzgebiete" durch das Deutsche Reich, gab der Offizier Paul Oettinger das "Tagebuch" seines Vorfahren, des schwäbischen Chirurgen Johann Peter Oettinger (1666-1746) heraus. Oettinger war 1692 auf der Fregatte "Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg" - einem Schiff der "Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie" - nach Westafrika gesegelt. Dabei lief er auch "Groß-Friedrichsburg" - Brandenburgs Stützpunkt für den Sklavenhandel im heutigen Ghana - an. Weiter östlich nahm die Mannschaft dann 738 Versklavte an Bord, verschleppte die Männer, Frauen und Kinder über den Atlantik und verkaufte die Überlebenden auf der von Dänemark annektierten Insel St. Thomas (Jungferninseln). Als Arzt hatte J.P. Oettinger dafür zu sorgen, dass sich der brandenburgische Menschenhandel rentierte, d.h. er war direkt zuständig für die Auswahl und den Gesundheitszustand der Versklavten. In keiner anderen Quelle wird so ausführlich über die "Sklavenfahrt" eines brandenburgischen Schiffes berichtet - Oettingers "Tagebuch" ist daher eines der aufschlussreichsten Dokumente zum Thema. Allerdings muss der Bericht mit Vorsicht betrachtet werden, denn die im späten 19. Jahrhundert gedruckte Version des nicht erhaltenen Originalmanuskripts wurde durch die Herausgeber offensichtlich stärker überarbeitet. Vor allem die melodramatisch-sentimentalen Reflektionen Oettingers über das Schicksal der Versklavten wirken stellenweise wenig authentisch und wurden wahrscheinlich von seinem Nachkommen eingefügt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PDF Paul Oettinger (Hrsg.) Unter kurbrandenburgischer Flagge. Deutsche Kolonialerfahrungen vor 200 Jahren. Nach dem Tagebuche des Chirurgen Johann Peter Oettinger. Berlin 1886

Einleitung 1.

I. Die Fahrt nach Afrika 14.

II. Auf afrikanischem Boden 44.

III. Die Fahrt nach Westindien 76.

IV. Auf amerikanischem Boden 84.

V. Die Heimkehr 91.