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Afrika ist keine Wildnis!

 

Berlin Postkolonial und weitere Nichtregierungsorganisationen riefen auf dem 1. Deutschen Entwicklungstag zur Solidarität mit dem Afrika-Rat Berlin-Brandenburg auf, der am 24. Mai 2013 den Rücktritt des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefordert hat.

 

NGO-Proteste zum Entwicklungstag in Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Berlin, 24.5.2013    Pressemitteilung des Afrika-Rates, Dachverband der afrikanischen Vereine und Initiativen in Berlin-Brandenburg

Zum rassistischen Plakat des “deutschen Entwicklungstags“ des BMZ am Afrikatag

Kurz nach der Erlangung der Unabhängigkeit mehrerer Länder trafen sich 32 Staatschefs aus Afrika in Addis Abeba, um die Organisation der afrikanischen Einheit zu gründen. Mit diesem Schritt wollten die Vertreter der afrikanischen Völker die auf der Berliner Konferenz von 1884/1885 verankerte, willkürliche Aufteilung Afrikas überwinden und den Weg für die Einheit Afrikas ebnen. In vielen afrikanischen Ländern ist dieser Tag ein arbeitsfreier Feiertag. Im Ausland haben Vertreter/innen der afrikanischen Diaspora gemeinsam mit ihren Diplomatischen Vertretungen und offiziellen Vertreter/innen des Gastgeberlandes jährlich den - in der internationalen Gemeinschaft als Afrika-Tag anerkannten - 25. Mai gemeinsam gefeiert.

Ausgerechnet in diesem Jahr, in dem in aller Welt das 50-jährige Bestehens der Afrikanischen Einheit gefeiert wird, hat das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entschieden, den Schwerpunkt nicht auf die Würde der in der Befreiungsbewegung und in den Entwicklungsprozessen aktiv involvierten Afrikaner/innen auf dem Kontinent und in der Diaspora zu legen, sondern unreflektiert sich selbst und andere Akteure zu feiern.

Hinzu kommt, dass eine Plakatkampagne des BMZ (http://www.nordsuedforum.de/nosfo/aktuelles/Plakat_The_Big_Five.pdf) rechtzeitig zum deutschen Entwicklungstag neokoloniale Vorstellungen von Entwicklung und Zusammenarbeit wieder bekräftigt, die bedauerlicherweise beim BMZ offensichtlich noch herrschen. Wieder wird hier auf koloniale rassistische Klischees zurückgegriffen, wenn es um die Darstellung Afrikas geht. Auf dem Plakat sind keine Menschen, sondern nur Tiere und Rohstoffe zu sehen. Beide „Objekte“, die von Europa aus zu erobern bzw. zu jagen sind. Bekräftigt wird das durch die Verwendung der Bezeichnung „Big Five“ (Großwildjagd in Kolonialzeiten durch Europäer in Afrika). Auf dem Plakat des BMZ wird Afrika als wilder Kontinent dargestellt: „Welches Tier suchen wir?“ fragt der Bundesminister für BMZ auf dem Plakat. An wen richtet sich diese Botschaft und für wen werden die Ziele formuliert, die einigen Tieren zugeordnet sind?

 

Gegenposter und Quizz

 

Aufgrund dessen, dass auf dem Plakat Afrikaner/innen und Afrika nicht als Akteure, sondern als passive Objekte dargestellt werden, stellt sich die Frage, ob das BMZ nicht auf Zusammenarbeit mit dem Afrikanischen Kontinent setzt, sondern auf die Durchsetzung einer neokolonialen Vorstellungen hinarbeitet, wodurch Afrika in Armut und Abhängigkeit gehalten wird. Mit diesem menschenverachtenden Plakat hat das BMZ die jahrzehntelange Arbeit von Migrant/innenvereinen, Initiativen, Verbänden und von NGOs und entwicklungspolitischen Netzwerken zum Abbau vom Rassismus gegen Afrikaner/innen / Schwarze Menschen zunichte gemacht. Der afrikanische Kontinent braucht keine Entwicklungshilfe, sondern wirtschaftliche Partner/innen mit denen er auf Augenhöhe kooperiert. Es ist Zeit, dass das BMZ seine Grundsätze zur Zusammenarbeit mit Afrika gründlich überprüft und an den Zeitgeist anpasst.


Rücktrittsforderungen für Minister Niebel

 

Wir fordern das BMZ auf, das kolonial-rassistische Plakat für die Werbung zu seinem Entwicklungstag am Afrikatag sofort aus dem Verkehr zu ziehen, und sich bei der afrikanischen Community in Deutschland und weltweit zu entschuldigen.

Mit diesem Plakat hat sich der Bundesminister Herr Dirk Niebels definitiv für sein Amt disqualifiziert. Deswegen fordern wir seinen sofortigen Rücktritt als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Wie kann er durch Afrika reisen, wenn er die Menschen dort so verachtet?

Letztlich fordern wir das BMZ auf, aus Rücksicht auf die Millionen Opfer der Maafa – Sklaverei, Sklavenhandel, Kolonialzeit, nationalsozialistische Terrorherrschaft und neokoloniale Bestrebungen – den Deutschen Entwicklungstag auf einen anderen Tag zu verlegen.

Für den Vorstand

Famson Akinola

Ansprechpartner für diese Pressemitteilung:

François Asukaten Tendeng (0172-3071276)

 

Afrika-Rat e.V.

Postfach 87 01 35

13161 Berlin

E-Mail:

This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

www. afrika-rat.org

 

NGO-Proteste und ein besorgter Herr Staatssekretär

 

Siehe auch:

"Afrika ist keine Wildnis!" PRESSEMITTEILUNG von AfricAvenir, Berlin Postkolonial und tanzania-network.de (24.05.2013)

 

Pressespiegel:

"Viel Geld für ein Strohfeuer" (Welt-Sichten, 29.05.2013)

"Afrika: Partnerschaft auf Augenhöhe oder Neokolonialismus?" (EurActiv.de, 27.05.2013)

"Schwarze Künstler, weiße Expertinnen" (Der Tagesspiegel vom 26.05.2013)

VIDEO: "Erster Deutscher Entwicklungstag von Kritik überschattet" (Die Tagesschau vom 25.05.2013)

"Entwicklungstag 'a la Berlin-Konferenz" (Neues Deutschland vom 25.05.2013)

"Ein guter Zweck für den Minister" (TAZ, 25.05.2013)

"Einige feiern 50 Jahre 'African Unity', andere den 1. Deutschen Entwicklungstag" (afrikawissenschaft, 25.05.2013)

Stellungnahme des Eine Welt Netzwerkes Hamburg (24.05.2013)

"Ministerium für Selbsthilfe" (Die Zeit, 24.05.2013)

Offener Brief des EPIZ Berlin (23.05.2013)

Offener Brief des Nord-Süd-Forums München (13.05.2013)

Protest unter den Eine Welt Gruppen Schleswig-Holsteins (01.03.2013)

"Entwicklungshilfe: Häme für Niebels Afrika-Initiative" (Der Spiegel vom 20.01.2013)