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Berlin Postkolonial unterstützt den folgenden Protest der Initiative "buehnenwatch" vom 1.10.2012 gegen Brett Baileys Projekt "Exhibit B" in Kooperation mit den Berliner Festspielen und dem Goethe-Institut!

Die Inszenierung „Exhibit B“ lehnt sich in ihrer Umsetzung an eine kolonialrassistische Tradition an: das Ausstellen von Schwarzen Menschen und Menschen of Color. Trotz vorgeblicher antirassistischer Intentionen, reproduziert Brett Bailey mit seiner Arbeit die Vorstellung von Afrikaner_innen als Objekten, die der Unterhaltung, dem Komfort oder, wie in diesem Falle, der Bildung weißer Menschen dienen. Der Künstler behauptet, in den Völkerschauen des 19. und 20. Jahrhunderts seien die Zurschaugestellten dem europäischen Blick ausgesetzt gewesen, in seiner Arbeit aber würde „der Blick umgekehrt“. Eine solche Umkehrung können wir nicht erkennen: Die Tatsache, dass die Ausgestellten „zurückblicken“ – wie Bailey in einem Interview hervorhebt – ist keinesfalls neu, sondern war bereits früher Teil widerständiger Strategien, die außerdem weit darüber hinausgingen. An den archetypischen rassistischen Konstellationen weiße_r Betrachter_in –Schwarze_r Betrachtete_r und weiße Aussteller_innen – Schwarze Zurschaugestellte ändert sich nichts. Schließlich sind es nicht Weiße, sondern Afrikaner_innen, die für diese Arbeit über 45 Minuten lang teilweise unbekleidet still stehen.

Wir sehen das Andenken an all diejenigen, die der kolonialen Gewalt durch europäische Regime sowie der Willkür weißer Privatpersonen zum Opfer gefallen sind, durch dieses Projekt beschmutzt. Die Geschichten von Menschen wie Saartje Bartmann oder Angelo Soliman sind dem Großteil der deutschen Bevölkerung vor allem deshalb nicht bekannt, weil sowohl im Bildungswesen, als auch in der Kulturlandschaft sowie anderen Sphären des Alltags die längst überfällige kritische Beschäftigung mit deutscher Kolonialgeschichte und ihren traurigen, weltweiten Folgen ausbleibt und insbesondere kritische Schwarze Stimmen gezielt vom Diskurs ausgeschlossen werden. Die Reinszenierung – wie auch immer abgeändert – ihrer entwürdigenden Zurschaustellung ist einem angemessenen Gedenken an diese Menschen nicht dienlich. Darüber hinaus löst sie zwar bei weißenScham aus, trifft jedoch keinerlei Aussage über die Ursachen und Mechanismen von Rassismus, so dass sie auch keine kritische Auseinandersetzung mit Rassismus fördert. Schwarzen Zuschauer_innen ihre alltäglichen Rassismuserfahrungen ungebrochen vorzuhalten, ist kein Antirassismus. Schmerzvolle Schwarze Geschichte dient hier der Karrierebeförderung weißer Akteur_innen und der Gewissensbefriedigung einer weißen deutschen Öffentlichkeit, die sich für die Perspektiven und Belange ihrer Schwarzen Mitbürger_innen, sofern von diesen selbst geäußert, sonst nicht interessieren.

„Exhibit B“ ist eine Reproduktion rassistischer Bilder ohne pädagogischen Mehrwert. Wir rufen alle unsere Unterstützer_innen dazu auf, gegen die Ausstellung von Brett Bailey im Rahmen von “Foreing Affaires”  bei den Berliner Festspielen zu protestieren, die vom 29. September bis zum 3. Oktober gezeigt wird.