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Mittwoch, 20. März 2013  15 Uhr

Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft?

Erinnerungsfarce am Columbiadamm in Berlin-Neukölln

Anlässlich des Besuchs einer hochrangigen Parlamentarierdelegation aus Namibia und des anstehenden UN-Gedenktages gegen Rassismus, der auch der namibische Unabhängigkeitstag ist (21.3.), werden wir am Mittwoch, 20. März um 15 Uhr am so genannten "Namibia-Gedenkstein" auf dem Friedhof Columbiadamm (Berlin-Neukölln) gemeinsam mit den Gästen der Opfer des Genozids an den widerständigen Herero und Nama gedenken. Das einladende zivilgesellschaftliche Bündnis "Völkermord verjährt nicht!" hat sich 2011 anlässlich der ersten Rückführung gestohlener menschlicher Überreste nach Namibia gebildet und setzt sich für eine Entschädigung der damals enteigneten Herero, Nama, Damara und San ein. Die Bundesregierung hat die Anerkennung des Genozids, eine Bitte um Entschuldigung und Reparationsleistungen vor genau einem Jahr abgelehnt.

Der Erinnerungsort in Neukölln steht exemplarisch für Deutschlands fehlende Bereitschaft, sich konsequent mit Kolonialismus und Rassismus auseinanderzusetzen: Ein massiver, aufrecht stehender Gedenkstein ehrt sieben weiße Berliner Soldaten, die sich freiwillig am kolonialen Genozid 1904-08 beteiligt haben - und würdigt zudem Hitlers "Afrikakorps". Davor liegt ein kleiner Gedenkstein für die afrikanischen Opfer des "Kolonialkrieges 1904-07". Die Inschrift des 2009 errichteten, beschämenden Mahnmals wurde vom Auswärtigen Amt zensiert. Weder die Anzahl der ermordeten Männer, Frauen und Kinder noch ihre afrikanische Herkunft oder das Wort "Genozid" wurden vermerkt. Erlaubt wurde der Satz Wilhelm von Humboldts: "Nur wer die Vergangenheit kennt hat eine Zukunft".