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Grundlage für die Fachdiskussion, die der BER in Kooperation mir AfricAvenir International, Berlin Postkolonial, dem Tanzania-Network.de und der Werkstatt der Kulturen ausrichtete, war das Dossier "Straßennamen mit Bezügen zum Kolonialismus in Berlin" (download unter BER/Aktuelles). Einer der Mitautoren dieses Textes, Joshua Kwesi Aikins, eröffnete die Fachdiskussion mit einer kurzen Vorstellung des Dossiers und zwei Beispielen von Straßennamen, die Kolonialisten gewidmet sind, die nachweislich besonders brutal gehandelt haben.
Der Moderator Armin Massing vom BER befragte die anwesenden Abgeordneten Evrim Baba (Die Linke), Oliver Schruoffen-eger (Bündnis 90/Die Grünen), Michael Arndt (SPD) und Henner Schmidt (FDP) zu ihrer politischen Einstellungen und ihrer Einschätzung von Handlungsmöglichkeiten im Bezug auf die vom Dossier empfohlenen Straßenum-benennungen und weitergehender Maßnahmen, um politische Bewältigungsarbeit kolonialer Vergangenheit in Berlin zu leisten.
Alle geladenen PolitikerInnen begrüßten die Veröffentlichung des Dossiers und die notwendige Auseinandersetzung mit kolonialen Straßennamen, dennoch beurteilten sie die im Dossier enthaltenden Empfehlungen unterschiedlich. Evrim Baba will sich innerparteilich auf dem nächsten Landesparteitag für eine Auseinandersetzung mit dem Thema bemühen und stellte den Umgang mit Kolonialismus in den Kontext aktueller Antirassismus-Arbeit. Oliver Schruoffeneger setzte sich für eine Ausarbeitung eines überparteilichen Antrags auf Landesebene ein, der den politischen Konsens über die Notwendigkeit von Straßenumbenennungen an die Bezirksebene mitteln soll. Henner Schmidt betonte die mit einer Umbenennung notwendig einhergehende politische Informationsarbeit.
Oliver Schruoffeneger schlug diesbezüglich vor, man solle mit der Landeszentrale für politische Bildung spezielle Bildungsmaterialien erstellen und eine Kooperation mit den Schulen in den jeweiligen Stadtteilen anstreben. Michael Arndt begrüßte die Debatten, setzte sich aber für eine behutsame Strategie auf der Landesebene ein. Alle vier versprachen zum Ende der Diskussion, sich für einen überparteilichen Antrag stark zu machen, der Anfang des kommenden Jahres zwischen den Fraktionen des Abgeordnetenhauses abgestimmt werden soll. Es herrschte auch Konsens, dass Straßen, die nach Kolonialverbrechern benannt sind, in einem demokratischen Gemeinwesen nicht mehr tragbar sind und zwingend umbenannt werden müssen. Dies müsse jedoch im Einzelfall genau geprüft und diskutiert werden.
Die gesellschaftliche Debatte über Umbenennungen und Kommentierungen von kolonialistischen Straßennamen muss letztlich in den Bezirken geführt werden, wo die Straßen liegen. Denn die Bezirksverordnetenversammlungen sind die politischen Instanzen, die über diese Fragen entscheiden müssen. Dazu könnte der überparteiliche Antrag im Abgeordnetenhaus aus Sicht des BER ein wichtiges Signal sein.